Kultur : Trockenschwimmen

Katrin Wittneven

liest einen Galerienführer für Berlin Das Buch war längst überfällig und kommt nun, wo es früher dunkel wird und öfter regnet, gerade richtig: Berlin Contemporary , ein Galerienführer für Berlin (Angela Hohmann, Imke Ehlers, Jovis Verlag, 192 Seiten, 14,95 Euro) . Denn wer will sich schon im November durch die ausgeuferte und unübersichtlich gewordene Galerienszene kämpfen, in der man den Eindruck hat, einen Sekretär beschäftigen zu müssen, um bei all den Neugründungen, Umzügen und Namensänderungen Schritt halten zu können? Der ambitionierte Kunstfreund müsste momentan unbedingt bei Peres Projects am Schlesischen Tor gewesen sein, natürlich die Brunnen-, Zimmer- und Holzmarktstraße im Blick haben, und Charlottenburg ist auch gerade wieder im Kommen – sagen manche. So denkt man melancholisch an die seeligen Zeiten zurück, als es noch reichte, einmal die Auguststraße rauf und die Linienstraße wieder runter zu laufen, um mitreden zu können, und nimmt das Buch dankbar zur Hand.

Ein Essay führt ins Thema ein. Es folgen 70 Kurzporträts führender Berliner Kunsthändler – von Arndt&Partner bis... Zwinger – sollte man annehmen. Doch die Produzentengalerien Amerika, Diskus und Echolot bilden den Schlussakkord, ansonsten endet das Alphabet hier bereits mit Wohnmaschine. Bei rund 300 Galerien in der Stadt muss naturgemäß eine rigide Auswahl getroffen werden. Die Autorinnen legen den Akzent auf die ganz junge Szene, doch die Zusammenstellung gerät in eine Schieflage, wenn gerade einmal vor einem Jahr gegründete Galerien dabei sind und eine feste Größe wie Anselm Dreher fehlt. Auch der neue Hot Spot Peres Projects ist noch nicht dabei; der Redaktionsschluss lag wohl vor der Eröffnung. Galerien wie Mehdi Chouakri haben derweil bereits den nächsten Umzug angekündigt. Das Buch kann gar nicht mehr sein als eine lesenswerte Momentaufnahme. Und echte Ausstellungen können durch Texte nicht ersetzt werden. So nimmt man Schirm und Schal – und macht sich wieder auf den Weg.

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