Kultur : Troika mit Toteninsel

PERFORMANCE

Uwe Friedrich

Noch im letzten Ton springt der Pianist Alexander Toradze vom Hocker und reißt die Arme hoch. Sofort bricht Jubel aus in der Philharmonie nach Igor Strawinskys Konzert für Klavier und Bläser. Mitreißend energiegeladen hatte Toradze bereits den ersten Satz gespielt, rhythmisch konturiert, mit Witz und Eleganz. Ebenso tänzerisch im musikalischen Gestus antworten die Bläser unter dem Dirigenten Vladimir Jurowski . Den gläsernen Stil von Strawinskys neoklassizistischem Werk trifft er genau, auch wenn die Lautstärke etwas feiner abgestimmt sein könnte. Das animierte Stück stand in starkem Kontrast zur drohenden „Toteninsel“ Rachmaninows, die sich zu Beginn über bewegtem Meer erhob. Jurowski leitet die Berliner Philharmoniker straff und elegant, lässt den Musikern Raum zu weit ausschwingenden Bögen. Die massiv auftrumpfenden Klangblöcke sind eingebunden in düsteren Schönklang, selbst das dümpelnde Wellenspiel hat noch Zugkraft. Gerade in den verhangenen Passagen bindet Vladimir Jurowski zum Schluss Sergej Prokofjews fünfte Symphonie an die Klangwelt der „Toteninsel“ an. Mit weit ausholenden Gesten lässt er das Maschinengeschehen in den Märschen des zweiten Satzes ablaufen, bis die Musik plötzlich abreißt. Kein Platz für romantische Gefühligkeit. In der Schlusscoda beginnt noch einmal ein gespenstischer Tanz und zeugt von der tiefen Zerrissenheit des Komponisten.

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