Kultur : Trommeln für die Tradition - Waseda Symphony Orchestra in der Philharmonie

Sybill Mahlke

Fünf japanische Trommeln, "Wadaiko" genannt, bewachen die Matinee von oben herab, um zuletzt "schweißgebadet mit voller Kraft geschlagen zu werden". So nennt der Komponist Shigeaki Saegusa seine schöpferische Absicht im Tourneeprogramm des "Waseda Symphony Orchestra Tokyo". Mit den Berliner Philharmonikern verbindet das japanische Studentenorchester eine fruchtbare Freundschaft, seit es 1978 beim Internationalen Jugendorchester-Wettbewerb in Berlin die Karajan-Medaille in Gold gewonnen hat. Das Ereignis ist für die heutigen Spieler schon Legende. Für westliches Publikum aber immer wieder frappierend, dass dieser riesige konzertreife Klangkörper zu einer Universität ohne Musikfakultät gehört. Die Liste der Mitwirkenden weist sie als Studierende der Literatur, Ökonomie oder Naturwissenschaften aus. Paradox eines Laienorchesters, das die japanische Erstaufführung der Haffner-Sinfonie von Mozart (im Jahr 1927) gespielt und unter Dirigenten wie Karajan, Ozawa und Leonard Slatkin Erfahrungen gesammelt hat. Zu seinen Ehrenpräsidenten zählt der ehemalige Berliner Philharmoniker Weinsheimer.

Eine Probe mit Hannsjörg Schellenberger in der Waseda-Universität taucht aus meiner Erinnerung auf. Auf dem Programm das Oboenkonzert von Strauss. So unvergesslich wie die Aufforderung des Deutschen an die japanischen Musiker, doch ein wenig mehr aus sich herauszugehen, Gefühl zuzulassen, sind die Disziplin und Selbstverständlichkeit tadelloser Vorbereitung der Studenten.

Unter dem umsichtigen Dirigenten Yoichiro Omachi, der 1957 als Assistent und Dolmetscher die erste Japan-Tournee der Philharmoniker unter Karajan begleitet hat - eher ein Magister als ein Maestro von der Ausstrahlung her -, musizieren die Gäste in der Philharmonie ausgesucht Europäisches wie die "Rienzi"-Ouvertüre von Wagner oder Sätze aus "Romeo und Julia" von Prokofjew. Zarte Mädchen an der ersten Oboe, der ersten Violine, an den Pauken. Andacht und Perfektion mischen sich zu einem Eigenklang, der nicht zuletzt vom Gewinn eines Lernens für das Leben spricht. Die Uraufführung "Über die Trommel" von Saegusa mit dem Kyogen-Spieler Mannojo Nomura, der hier in steifem Brokatkostüm für seinen getreuen Nô-Vortrag die Masken wechselt, fasziniert durch die Macht der Schläge. Aber auch, weil durch Wadaiko mit europäischem Sinfonieorchester, gespielt von Japanern, eine Verbindung geschaffen wird, die Westlich-Erlerntes heimholt in die eigene asiatische Tradition.

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