Kultur : Tropfen, die ins Wasser fallen

ARCHITEKTUR

Jürgen Tietz

Lange galt deutsche Architektur nicht gerade als Exportschlager. Doch dank des wachsenden chinesischen Marktes hat sich dies inzwischen geändert: während die meisten Architekturbüros in Deutschland in der Wirtschaftskrise ums Überleben kämpfen, haben sich andere im Reich der Mitte ein zweites Standbein aufgebaut. Dazu gehört auch die Hamburger Architekturfirma gmp (von Gerkan, Marg und Partner). In einer Ausstellung im Hamburger Museum für Kunst und Gewerbe (Steintorplatz, bis 16. November, Di bis So 10 bis 18 Uhr, Do bis 21 Uhr, Katalog 14,50 Euro) resümiert gmp jetzt fünf Jahre Bauen und Planen in China.

Rund vierzig Projekte sind dabei zusammengekommen. Den Auftakt bildete 1998 allerdings eine rein deutsche Bauaufgabe: die preisgekrönte Deutsche Schule in Peking. Doch inzwischen hat gmp eine bunte Melange an Projekten entwickelt, die höchst unterschiedliche Handschriften zeigen und von Wohn- und Bürobauten bis zu Hochhäusern und Planungen für ganze Städte reichen. Mittelpunkt der Hamburger Ausstellung ist eine dieser neuen Städte: Luchao. Unweit der Millionenmetropole Shanghai gelegen, entsteht die Hafenstadt derzeit auf kreisrundem Grundriss. Ihr Stadtzentrum wird sich um einen ebenfalls runden See mit 2,5 Kilometern Durchmesser gruppieren, sodass eine Art chinesischer Binnenalster entsteht – umstanden von Bauten, die nach dem ebenso typischen wie konventionellen Beispiel des europäischen Städtebaus angeordnet sind. Und auch wenn kreisrunde Idealstadtgründungen nichts Unbekanntes sind, so hat Luchao doch seinen eigenen bildhaften Gründungsmythos. Laut Meinhard von Gerkan sei die Idee für den konzentrischen Stadtgrundriss nämlich aus dem Bild eines Tropfens entstanden, der ins Wasser fällt.

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