Kultur : Trottel wie wir

Film: Mike Myers in der Klamotte „Der Love-Guru“

Jörg W,er

Oje! Eine vergleichbare Ansammlung von flachem Furzkissenhumor mit rohrkrepierenden Pointen und miserablem Timing hat man lange nicht gesehen. Dass „Der Love-Guru“ mit der Treffsicherheit einer abgesägten Schrotflinte geschmacklose, pubertäre, politisch inkorrekte Witze abfeuert, sollte für Kenner der Materie indes keine Überraschung sein. Seit „Wayne’s World“ ist dies das Markenzeichen aller Filme, in denen Mike Myers die Hauptfigur spielen darf.

In „Der Love-Guru“ mimt Myers einen schmierigen Beziehungskistenberater für Promis, der auf Wunsch einer ehrgeizigen Eishockeyklub-Besitzerin (Jessica Alba) die Karriere des Stürmerstars retten soll. Dessen Ego liegt am Boden, seit seine Frau mit dem schärfsten Konkurrenten Jacques „Le Coq“ Grande (Justin Timberlake) rummacht, einem Sexprotz mit Hang zu bizarren Outfits. Während Myers als grimassierender Psychoguru eher nervig als lustig ist, gehört Timberlakes flamboyante Darstellung des frankokanadischen Großhodenträgers zu den Höhepunkten des Films. Seine Tanzeinlage bei einem Céline-Dion-Konzert zeugt von der Bereitschaft, sich total zum Trottel zu machen. Ähnliches könnte man von Ben Kingsleys Kurzauftritten als schielendem Guru-Übervater sagen, wären sie nicht von bestürzender Witzlosigkeit.

Trotz einiger hübscher Ansätze – etwa Myers’ Sitar-Stümpereien, mit denen er Gitarrenquäler wie Jimmy Page und Peter Frampton parodiert, erreicht das Werkchen nie die Referenzdichte der Slacker-Satire „Wayne’s World“ oder der drei „Austin Powers“-Filme mit ihren lustvoll albernen James-Bond-Zitaten. Was ebenso an der schwachen Debütleistung des Regisseurs Marco Schnabel liegt wie an der mangelnden Verankerung des Themas in der westlichen Populärkultur. Zwar besitzt die Figur des Gurus durch die Konsultationen bekannter Pop- und Kinostars durchaus parodistisches Potenzial, ist aber als Filmtypus wenig geläufig. So stolpert der „Love-Guru“ als lahme Nummernrevue ins Ziel. Jörg Wunder

In 13 Berliner Kinos; Originalfassung im im Cinestar Sony Center.

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