• Trumps „Make America Great Again! Welcome Celebration“ in Washinton: Es muss einfach rocken

Trumps „Make America Great Again! Welcome Celebration“ in Washinton : Es muss einfach rocken

Es war ein Abend der Abwesenheit: Beim Begrüßungskonzert für Donald Trump fehlen Weltstars und Glamour. Aber es gibt Militärmusik, Soul und Country

Christian Schröder
Toby Keith, Stimme der vergessenen.
Toby Keith, Stimme der vergessenen.Foto: Reuters

Ausgerechnet „You can’t always get what you want“. Besser gesagt: natürlich „You can’t always get what you want“, was sonst. Als der Ansager am Lincoln Memorial in Washington mit rollender Stimme die Ankunft des gewählten Präsidenten der Vereinigten Staaten verkündet, läuft dazu der Hit der Rolling Stones. Man könnte ihn als letzten höhnischen Gruß an Hillary Clinton verstehen, die nicht bekam, was sie wollte, das Weiße Haus. Der Song spendet aber auch Trost. Wenn man es immer wieder versucht, kriegt man am Ende das, was man braucht.

Der Ashalt-Cowboy als Prediger

Vorher hatte der alte Hollywood-Haudegen Jon Voight, Held großer Filme wie „Asphalt-Cowboy“ oder „Catch-22“ und Vater von Angelina Jolie, noch einmal über die üble Wahlkampfpropaganda gegen seinen Freund Trump geklagt und wie ein Prediger geendet: „Wir konnten nicht wissen, dass Gott all’ unsere Gebete erhören würde.“ Womit er das Wahlergebnis meinte. Präsident Trump ist somit ein Gottesbeweis. Als Trump dann selbst erscheint, mit Ehefrau Melania herüber geht zum steinernen Sitzdenkmal von Abraham Lincoln und, obwohl selber Nicht-Militär, vor dem Amtsvorgänger militärisch salutiert, ist aus den Lautsprechertürmen „Heart of Stone“ zu hören, eine frühe Bluesnummer der Rolling Stones. Großartige Regie.

3 Doors Down kommen aus dem 3566-Einwohner-Städtchen Escatawpa im Bundesstaat Mississippi
3 Doors Down kommen aus dem 3566-Einwohner-Städtchen Escatawpa im Bundesstaat MississippiFoto: Reuters

Die Rolling Stones, nicht als Anhänger der Republikanischen Partei bekannt, mögen sich grämen, dass ihre alten Stücke bei der „Make America Great Again! Welcome Celebration“ verwurstet werden. Andererseits: natürlich fließen Tantiemen. Die Open-Air-Show am Vorabend der Vereidigung ist vor allem ein Abend der Abwesenheit. Abwesenheit von Glamour. Kein Weltstar tritt auf. Der einzige Popstar der Veranstaltung ist Trump selbst. Für Barack Obama sangen Aretha Franklin, Beyoncé, Bruce Springsteen und John Legend. Unter anderem. Bei Donald Trump sagte zuletzt sogar die B-Streetband ab, die Springsteens Songs covert.
So demonstriert die Willkommensfeier, welche Talente, Musikstile und Sonderbarkeiten die amerikanische Popkultur außerhalb von Mainstream und Hitparaden noch zu bieten hat. Interessant. Ein Gospelchor und Sam Moore vom Soulduo Sam & Dave singt die Quasi-Nationalhymne „America the Beautiful“. Eine Militärkapelle in Uniformen des 18. Jahrhunderts spielt ein Querflötenständchen. Ein Schlagzeuger mit Irokesenfrisur trommelt in einem kugelförmigen Drum-Set zu Dudelsack-Samples. Bizarrer Zusammenstoß der Kulturen.

Eine Stimme der Vergessenen

Natürlich ist auch Country & Western vertreten. Toby Keith, der laut Ansagerstimme 20 Millionen Platten verkauft hat, setzt in seinen eingängigen Countrypoprockliedern Soldaten, Arbeitern und Farmern ein Denkmal. „Made in America“ heißt einer seiner größten Erfolge, er handelt vom Patriotismus eines alten Manns, dem es das Herz bricht, sehen zu müssen, dass Autos, die aus dem Ausland stammen, mit Benzin betankt werden, das ebenfalls „nicht unseres“ ist. Der Mann mit dem schwarzen Cowboyhut gibt den „Vergessenen, die nicht länger vergessen sein werden“ (Trump) eine Stimme.
Headliner: 3 Doors Down. Die Band, die aus dem 3566-Einwohner-Städtchen Escatawpa im Bundesstaat Mississippi stammt, spielt einen pathosgeladenen Powerrock, der sich gar nicht darum bemüht, originell zu sein. Er soll einfach nur rocken. Das Bemerkenswerteste an ihnen sind die grauen Jacken, die ein wenig an die Banduniformen der Beatles erinnern. Schönste Zeile: „Love me when I’m gone.“
Die letzten Worte gehören Donald Trump. Er dankt den „großartigen Entertainern“ und den Vertretern des Militärs. „Ihr seid die Botschaft“, sagt er dem Publikum. „Ich bin nur der Bote.“ Dann beginnt das Feuerwerk.

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