Kultur : Tschechow siegt

3sat-Preis für Gotscheff, Kerr-Preis für Goeser

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Offiziell ist das Theatertreffen nur ein „Arbeitstreffen“ der deutschsprachigen Theater. Es hat keinen Gewinner, aber die eine oder andere Trophäe wird doch verliehen: So ging der 3sat–Preis, mit 10 000 Euro dotiert, an Dimiter Gotscheff für seine „Iwanow“-Inszenierung von der Berliner Volksbühne. Eine gelinde Überraschung: Gotscheff gehört zu den renommierten Regisseuren, und eigentlich war die Gruppe Rimini-Protokoll für ihre innovative, vom Publikum begeistert aufgenommene Version von Schillers „Wallenstein“ als Favorit gehandelt worden.

Der Schauspieler Felix Goeser darf sich über den Alfred-Kerr-Darstellerpreis freuen. Diese Auszeichnung, dotiert mit 5000 Euro und von der Familie des berühmten Theaterkritikers Alfred Kerr sowie der Pressestiftung Tagesspiegel gestiftet, wird beim Theatertreffen einem Newcomer verliehen. Juror war in diesem Jahr der Berliner Schauspieler Martin Wuttke.

Und das ist Felix Goeser wirklich: ein neues Gesicht. Geboren 1974 in Köln, spielte er kleinere Rollen am Deutschen Schauspielhaus Hamburg, in Basel und auch am Deutschen Theater Berlin. Tschechows nichtsnutziger, alkoholisierter Frauenheld Platonow ist seine erster richtig großer Auftritt. Damit hat er Wuttke und die Theatertreffen-Zuschauer für sich eingenommen. Karin Henkel stellt ihre Stuttgarter Inszenierung auf Felix Goeser ab – ein weinerlicher Herzensbrecher und zugleich ein unglaublicher Kraftkerl. Diesen „Platonow“ stemmt er mit Heldenenergie. Im Stuttgarter Ensemble, dem er seit Beginn dieser Spielzeit angehört, gehört ihm hier die Show fast ganz allein. Kein schöner Mann, aber ein Mann. Das sagen die weiblichen Fans. Tsp

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