Kultur : Türen öffnen

Deutschland ist Ehrengast auf der Buchmesse in Kairo

Andrea Nüsse

Der Dialog verspricht spannend zu werden. Der Philosoph Jürgen Habermas, der Pop-Autor Benjamin von Stuckrad-Barre und Blasmusiker der Band Tätärä werden auf der Internationalen Buchmesse Kairo im Januar den Dialog mit dem ägyptischen Leser suchen. Die Veranstaltungen sind Teil des Kulturprogramms, mit dem sich Deutschland als erster Ehrengast auf der größten Buchmesse der Region präsentieren wird. Ein Novum für beide Seiten. Die staatliche ägyptische Buchorganisation hat sich die Idee von der Frankfurter Buchmesse abgeschaut, nachdem die arabische Welt 2004 dorthin eingeladen war. Goethe-Institut, Deutsche Welle und die deutsche Botschaft in Kairo fragen sich nun, wie sie ihr Land dem bunt gemischten Massenpublikum in Ägypten präsentieren können. Denn die Kairoer Buchmesse ist keine Fachmesse, sondern eine zweiwöchige Verkaufsveranstaltung, auf der Buchhändler und Verlage den größten Teil ihres Jahresumsatzes machen.

Etwa eine Million Besucher erwartet der Leiter der staatlichen Buchorganisation, Naser Al-Ansari. Gemeinsam mit dem Leiter der Frankfurter Buchmesse, Jürgen Boos, präsentierte er gestern in Kairo das Projekt. Diesem gilt die Gegeneinladung als Beweis für die Nachhaltigkeit des Frankfurter Messekonzepts. Die deutschen Verlage und Institutionen werden sich auf einem 350 Quadratmeter großen Stand präsentieren. Bislang sind 50 Veranstaltungen geplant. Nach Johannes Ebert, dem Leiter des Goethe-Instituts Kairo/Alexandria, soll das Programm den Austausch unter Intellektuellen über „brennende Fragen der Zeit“ befördern und das breite Publikum über deutsche Kultur informieren.

Auch das Thema Übersetzungen soll eine Rolle spielen. So wird über literarische Stoffe diskutiert, die deutsche Verleger interessieren könnten. Während das Goethe-Institut sein Programm zur Übersetzung deutscher Kinderbücher ausweitet, hat die ägyptische Seite keine neuen Übersetzungsprogramme ins Arabische aufgelegt. Un das, obwohl UN-Berichte gezeigt haben, dass die arabische Welt im internationalen Vergleich extrem wenig aus fremden Sprachen übersetzt und daher den Anschluss zu verlieren droht. Ein anderer Aspekt ist für Ägypten dagegen wichtiger: Der Verantwortliche für das Kairoer Ehrengastprogramm, Mohammed Ghoneim, machte keinen Hehl daraus, dass die Veranstaltung dazu dienen soll, für Ägypten als Gastland der Frankurter Buchmesse 2010 zu werben. Er rief die ägyptischen Journalisten auf, ausführlich über die deutsche Präsentation in Kairo zu berichten. Dies könne die Türen der Zusammenarbeit „weiter aufstoßen“.

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