Türkei im Ausnahmezustand : Rockfestival abgesagt - nach Protesten wieder erlaubt

Das populäre Zeytinli Rockfestival an der ägäischen Küste Ende August war nach dem Putsch abgesagt worden. Nach Protesten in den sozialen Medien lenkte das Bezirksamt jedoch ein.

Abgesagt: Noch wollen die Veranstalter versuchen, die Behörden zum Einlenken zu bewegen.
Abgesagt: Noch wollen die Veranstalter versuchen, die Behörden zum Einlenken zu bewegen.Foto: Promo

Es ist das populärste türkische Rockfestival und soll wie jedes Jahr vier Tage lang zahlreiche beliebte Bands und Sänger des Landes versammeln. Eigentlich hatt das Bezirksamt im westtürkischen Edremit das Festival nach dem Putschversuch und im Zuge des Ausnahmezustands in der Türkei gerade erst abgesagt, nun darf es aber doch stattfinden. Das teilte der Veranstalter am Donnerstag via Twitter mit.

Das Bezirksamt im westtürkischen Edremit wollte das viertägige Zeytinli-Rockfestival mit Verweis auf den Ausnahmezustand zunächst verschieben, was einer Absage gleichgekommen wäre. Als Grund gab die Behörde Sicherheitsgründe an. Nach Verhandlungen mit dem Veranstalter „Milyon Yapim“ revidierte das Amt jedoch seine Entscheidung.
Das Zeytinli Rockfestival vom 25. bis 28. August (und mit einem Vorlauf schon am 24.8.) ist sehr populär, deshalb hatte die Ankündigung der Verschiebung, sprich: Absage in den sozialen Medien einen Sturm der Entrüstung ausgelöst.


Auch ein Brecht-Theaterstück in Istanbul wurde abgesagt

Erwartet werden jetzt jedoch wieder 10.000 Rockfans in dem kleinen Küstenort an der nördlichen Ägäis. Und zu den angekündigten einheimischen Stars zählen die Rockband Duman, die 2013 zu den Taksim-Protesten in Istanbul den Solidaritätssong "Eyvallah" veröffentlicht hatte und zu den Protagonisten in Fatih Akins Dokumentarfilm "Crossing the Bridge" von 2005 gehört, die Heavy-Metal-Truppe Pentagram oder die Punkband Athena. 60 Gruppen und Solisten haben sich insgesamt angesagt.

Nach zahlreichen Terroranschlägen in diesem Jahr ist die türkische Musikbranche ohnehin schon angeschlagen. Im Rahmen des im Juli verhängten Ausnahmezustands hatten die Behörden außerdem schon andere Kulturveranstaltungen abgesagt. Unter anderem wurde ein Theaterstück von Genco Erkal über Bertolt Brecht und Nazim Hikmet in Istanbul abgesagt, auch sollen Erdogan-kritische Schauspieler im Nationaltheater Istanbul suspendiert worden sein. dpa/Tsp

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