Tugan Sokhiev und das DSO : Ironie und Farbenpracht

Saisonfinale mit Strauss: das Deutsche Symphonie-Orchester spielt Beethoven, Chopin und "Ein Heldenleben" unter ihrem Chefdirigenten Tugan Sokhiev.

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Wermutstrophen. Tugan Sokhiev verlässt das Orchester zum Ende der nächsten Saison.
Wermutstrophen. Tugan Sokhiev verlässt das Orchester zum Ende der nächsten Saison.Foto: David Beecroft/DSO

So gelöst wie zum Abschluss dieser Saison hat man Tugan Sokhiev noch nie am Pult des Deutschen Symphonie-Orchesters gesehen. Gewissheit, Wachheit und Gelassenheit strahlt der Chefdirigent am Ende der dritten gemeinsamen Saison aus. Er hat allen Grund dazu. Unter Sokhievs eleganter wie fordernder Stabführung konnte das Orchester immer wieder zeigen, dass es nicht nur in Berlin zur Spitzengruppe gehört. Eine gute Ausgangslage, um einen inspirierenden Nachfolger zu finden. Denn das ist der einzige Wermutstropfen an diesem Festabend in der Philharmonie: Tugan Sokhiev wird nur noch bis zum Ende der nächsten Saison Chef des DSO bleiben.

Bis dahin wird der 37-Jährige den Klang seines Orchesters weiter formen. Wie entschlossen er dabei vorgeht, davon zeugt eingangs Beethovens Egmont-Ouvertüre: Mit gesättigtem Pinselstrich scheidet Sokhiev die Trauer vom zarten Traum der Freiheit, aus dem dann der Sieg erwächst. Das Orchester rauscht packend auf, ohne dabei durch Aufgeregtheit mit der Konstruktion Beethovens zu kollidieren. Ein symphonischer Sog in nur acht Minuten, der mit Farbenpracht und geistesgegenwärtiger Übersicht glänzt.

Jan Lisiecki will die Nacht erforschen, nicht einfach verträumen

Von ihr profitiert auch das Zusammenspiel mit dem jungen Pianisten Jan Lisiecki, der mit Chopins 1. Klavierkonzert einen Triumph feiert: Mit 20 Jahren im gleichen Alter wie der Komponist bei der Uraufführung, gibt Lisiecki Chopin Frische und Klarheit zurück. Ein auch in seiner harmonischen Kühnheit nach vorne gewandter Virtuosenblick, ernsthaft, begeisternd – von Sokhiev und den Musikern des DSO mit größter Sympathie begleitet. Selbst im zugegebenen Nocturne gerät Lisiecki nicht in die melancholische Rückenlage. Hier will einer die Nacht erforschen, sie nicht einfach verträumen.

Mit Richard Strauss’ „Heldenleben“ tischt das Orchester dann einen klangkalorienreichen Festschmaus auf, der dem DSO noch einmal alles an Agilität abverlangt. Sokhievs intensive Erfahrungen mit Prokofiev helfen hier nicht nur bei der Organisation und Härtung des Klangs, sondern auch beim Aufspüren von Ironie. Gast-Konzertmeister Zsolt-Tihamér Visontay vom Philharmonia Orchestra London bleibt dem eingeschobenen Porträt der Komponistengattin zwar letzte Extravaganz schuldig, führt das DSO aber sicher in den Jubel.

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