Kultur : Tuntig

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Erst scheint es, als hätten die nächtlichen Regenmassen die Erinnerungen an den Theaterabend weggewaschen. Doch da ist noch so ein taubes Gefühl im rechten Ohr, das von den spitzen Schreien des Hintermannes rührt. Und im Sakko findet sich eine Visitenkarte, auf der der Schriftzug „Iphigenie“ mit energischem Federhalter durchgestrichen wurde. „Hildegard Knef“ steht da jetzt, darunter eine Mobil-Nummer. Langsam tauchen auch Figuren in der schillernden Seifenblase der Erinnerung auf. Grellbunte Röckchen und Goldlamé-Slips wirbeln umher, Männerbeine stöckeln treppauf, treppab, Plastikpenisse und -busen wippen im Takt von „Tainted Love". Inzwischen hat sich auch die Eintrittskarte wieder angefunden, die belegt, dass dieses schrille Treiben im Hebbel-Theater stattgefunden haben muss. Der Titel der Performance „Ski-fi-Jenni and the Frock of the new!“ spült endlich verschlammte Wissensbrocken frei: Die südafrikanische Choreografin Robyn Orlin ist vernarrt in aberwitzige Werküberschriften und in den möglichst verrückten Einsatz von Tütüs. Das Goethe-Institut hatte sie auf die „Iphigenie“ seines nsgebers aufmerksam gemacht und Orlin zog los, um heute eine solche Heldin zu suchen. Dabei muss sie in entlegenen Regionen des Christopher Street Days hängen geblieben sein. Ihre Travestie beißt sich in den Klamotten fest, ein Thema findet sie nicht. Der Hintermann kreischt: Achwieherrlich (noch einmal heute, 20 Uhr 30). Ulrich Amling

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