Kultur : Turbo Kunst

Das Gallery Weekend wächst und wächst.

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Ein Kraftwerk braucht das Gallery Weekend eigentlich nicht. Es ist selbst ein Energieträger für Berlin und hat am vergangenen Wochenende wieder Tausende auf Trab gebracht – ein regionales wie internationales Publikum. Dennoch machte das Galadinner im alten Heizkraftwerk Mitte zusätzlich klar, wie anziehend die Stadt auf Sammler und andere Kunstliebhaber wirkt. Vor der Location drängten sich 1400 Gäste und fürchteten zu Recht, am Ende keinen Platz mehr an den langen Tafeln zu finden. Dieses Dinner ist längst ein gesellschaftliches Ereignis.

Dies gilt auch für die Eröffnungen in den Galerien, von denen 51 das Event finanziell und organisatorisch tragen, während zahllose andere profitieren. Ganz legal übrigens, denn das offizielle Gallery Weekend will sich nicht weiter ausdehnen. Es handelt sich um eine private Initiative, bei der nur mitmachen darf, wer vom Organisationsteam eingeladen ist. Die anderen Galerien haben das akzeptiert und leiteten die Energie an diesem Wochenende einfach um. Wo immer man vorbeikam – ob in der Potsdamer Straße, im Galerienhaus Lindenstraße, in der Fahrbereitschaft des Sammlerpaars Haubrok oder im künftigen Kunstquartier St. Agnes: Die Neugier auf die Kunst der Gegenwart ist schier grenzenlos.

Dabei spielt keine Rolle, ob das Weekend-Plakat nun an der eigenen Haustür klebt oder beim Nachbarn. Gekauft werden auch nicht allein die Stars. So lässt sich am Ende sagen: Aus dem durchaus eigennützigen Projekt einer Handvoll Galeristen, die sich von der Berliner Kunstmesse Art Forum absetzen wollten, ist eine Veranstaltung mit Potenzial für die ganze Stadt erwachsen. Sie zeigt großartige Künstler und gibt zahlreichen Newcomern in ihrem Windschatten eine Chance. Noch etwas fällt auf: Diesmal überwogen die Ausstellungen von Künstlern, die in Berlin leben. Die Sammler kommen gezielt in die Stadt der Produzenten. Und nicht etwa, um Kunst zu sehen, die man auch auf jeder großen Messe erwerben kann. Das ist die allerbeste Nachricht. Christiane Meixner

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