Turiner "Artissima" : Auftrieb der Kunst

Kito Nedo

„Turin“, sagt Javier Peres, „ist ein entspannter Ort.“ Der US-Galerist mit Berliner Dependance sitzt an seinem Stand auf der Kunstmesse Artissima und betrachtet den Besucherstrom zur Vernissage. Während auf der Londoner Frieze oder der Art Basel die ersten Stunden über Erfolg oder Misserfolg entscheiden, ist es in Turin das glatte Gegenteil: Die italienischen Sammler lassen sich Zeit. Peres kennt das, er kommt seit 2004 fast jedes Jahr.

Auch am Stand der Berliner Galerie Lüttgenmeijer lässt man sich nach ein paar Stunden noch keine Meinung über die Messe entlocken. „Die Hysterie ist weg“, sagt Markus Lüttgen. „Die Leute wissen, dass sie mehr Zeit haben.“ Ob sie aber genauer hinschauen? Das jedenfalls hoffen Lüttgen und sein Partner Robert Meijer, die zum ersten Mal auf die Messe gekommen sind und ihr noch junges Programm zeigen. Vor allem für kleine und mittlere Galerien ist die Messe attraktiv. Galeristen der neuen Generation wie die Londoner Galeristin Laura Bartlett oder die Berlinerin Isabella Bortolozzi prägen den Charakter der Messe, an der sich 127 Galerien aus 22 Ländern beteiligen. Seit dem Antritt des ehemaligen Kritikers und Kurators Bellini 2007 erlebt die Veranstaltung einen enormen Auftrieb. Bellini ist es gelungen, sie international als Entdeckermesse für zeitgenössische Kunst zu etablieren. Darüber hinaus kennt er als ehemaliger Chefredakteur des italienischen Kunstmagazins „Flash Art“ die Medien, über die sich die jüngste und internationale Szene verständigt. Das intellektuelle Klima wirkt inspirierend auf manche Messeteilnehmer, wie man an der Einzelpräsentation von Thomas Bayrles „Pinselstrich“-Arbeiten (10.000–120.000 Euro) am Stand der Berliner Galeristin Barbara Weiss ablesen konnte. Im Moment beobachte sie eine „Rückbesinnung auf Europa“, meint Weiss. Der Turiner Artissima kann das nur nutzen.

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