Turm von Pisa : Gefühlte Schieflage

Die italienische Stadt Pisa will einen weiteren "Schiefen Turm" bauen - dessen Neigung jedoch ausschließlich auf einer perfekten optischen Täuschung beruhen soll.

Pisa - Das Gebäude aus Glas und Beton soll genauso hoch wie das weltberühmte Wahrzeichen werden, Büros und Appartements beherbergen und am Stadtrand entstehen. "Die Schieflage wird durch das Spiel von Licht und Schatten simuliert", berichtete die Mailänder Zeitung "Corriere della Sera". "Pisa klont seinen Turm", titelt das Blatt.

Allerdings gibt es auch Proteste gegen das 70-Millionen-Euro-Vorhaben. "Projekte dieser Art führen nur dazu, die Identität einer Stadt zu zerstören", schimpft Gioacchino Chiarini, Rektor der Universität Siena. "Das ist so, als würde man in Florenz eine zweite "Ponte Vecchio" errichten."

Der neue "Schiefe Turm" soll ebenso wie das rund 800 Jahre alte Denkmal eine Aussichtsterrasse für Besucher bekommen. Der echte Schiefe Turm von Pisa war vor Jahren durch eine spektakuläre Rettungsaktion wieder etwas aufgerichtet worden. Nach Ansicht von Experten ist er für die nächsten 300 Jahre vor dem Einsturz bewahrt. Schlimmstenfalls werde sich der 58 Meter hohe Turm in drei Jahrhunderten wieder so stark zur Seite neigen wie vor Beginn der Rettungsarbeiten Ende der 90er Jahre. Er gehört seit 1987 zum Weltkulturerbe der Unesco. (tso/dpa)

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