Kultur : Tutti Frutti

Die Komische Oper Berlin spielt Hiphop-Mozart

Ulrich Pollmann

Wenn in der Komischen Oper gleich beim Löschen der Saalbeleuchtung Jubel ausbricht, wird klar: Das hier ist keine normale Premiere. „Hip H’Opera© – Così fan Tutti“ ist ein Cross-Culture-Projekt. Regisseur Markus Kosuch, in Sachen Jugendtheater international renommiert, stellt Mozarts Oper über die Untreue der Frauen einen Hiphop-Apparat gegenüber – drei Berliner Rapper, eine eigens gecastete Tanztruppe aus vierzig jungen Berlinern und einen DJ, der in das Orchester des Berliner Musikgymnasiums „Carl Philipp Emanuel Bach“ integriert ist. Entsprechend ist das Haus mit vielen Schulklassen gefüllt, worüber besonders Projektleiterin Anne-Kathrin Ostrop glücklich sein dürfte, die die theaterpädagogische Arbeit der Komischen Oper betreut.

Der Begriff Cross-Culture mag hochgestochen klingen – hier gewinnt er tatsächlich Profil. Mal werden Oper und Hiphop scharf gegeneinander abgesetzt, dann wieder dicht verwoben, zum Beispiel, indem Così-Fragmente zerschnipselt und durch Beats allmählich umgepolt werden. Auch mit den Texten wird Bäumchen wechsel dich gespielt. Doch wenn die drei Sänger Nina von Möllendorff, Vanessa Barkowski und Hans Griepentrog das kunstvoll-trivial verrapte Libretto sprechen oder die Rapper Bobmalo, FlowinImmO oder Jasmin Shakeri auch mal richtig singen müssen, sorgt das nicht nur für Heiterkeit im Saal. Schlagartig wird klar, was für Welten zwischen dem Rap und einer klassisch ausgebildeten Stimme liegen.

Allerdings spürt man nach zwei Stunden doch, dass die Ergiebigkeit des Cross-Culture-Repertoires begrenzt ist. Fast neutralisieren sich Mozart und der Hiphop gegenseitig; mitunter scheint wenig von der berührenden Intensität der Arien zu bleiben oder der subversiven Rauheit der aus den Ghettos entstiegenen Jugendkultur. Insofern hat Rapper Bobmalo vielleicht unfreiwillig Recht. Im Programmheft behauptet er selbstbewusst, Oper und Hiphop seien eigentlich dasselbe. Freilich liegt der Sinn des Projekts nicht darin, die Verschmelzung zweier denkbar verschiedener Musikstile als ultima ratio zu propagieren. Es geht darum, gegensätzliche Facetten unserer heterogenen Musikkultur einander gegenüberzustellen, junge Menschen dabei einzubeziehen und auf diese Weise Berührungsängste abzubauen. Und das kann man eigentlich nicht viel besser machen als mit dieser „Così“.

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