Kultur : Tuva

Tuwa

Marius Meller

Autonome südsibirische GUS-Republik im Dreiländereck China, Mongolei, Russland. In der Hauptstadt Kysyl liegt das geografische Zentrum Asiens. Tuwa ist halb so groß wie Deutschland, hat aber nur knapp über 300000 Einwohner. 80 Prozent der Bevölkerung sind Halbnomaden (mit Sommer- und Winterquartier) und leben in Rundzelten, den Jurten. Die Tuwiner sehen den Mongolen ähnlich, sind aber ein eigener Volksstamm, ihre Sprache ist dem Türkischen und dem Finnischen verwandt. Die meisten leben von Viehzucht. In Tuwa gibt es die unterschiedlichsten Landschaftsformen: Hochgebirge, Hochsteppen (Tundra), Taiga, Tannenwälder und Wüstengebiete. Das Klima ist scharf kontinental, im Winter muss man mit minus 50 Grad rechnen, die Sommer sind heiß.

Tuwa ist das Paradies.

In Ost-Tuwa können Sie Herden von weißen Kamelen beobachten, und wenn Sie Glück haben, fängt die ganze Herde im gleichen Moment zu singen an, ein merkwürdig melancholischer Chor. Die menschlichen Bewohner Tuwas sind berühmt für ihren Kehlkopfgesang und für ihre Schamanen, die Regen herbeizaubern können und von den kranken Tuwinern auf staatlichen Krankenschein konsultiert werden. Seit einigen Jahren gibt es in der Hauptstadt Kysyl sogar ein schamanisches Krankenhaus.

In West-Tuwa können Sie die Ausgrabungsstätte besuchen, wo 1947 ein tiefgefrorenes Skythen-Grab entdeckt wurde, mit Goldschatz und dem ältesten Knüpfteppich der Welt, dem Pasaryk-Teppich um 800 v. Chr., heute ein Prunkstück der Petersburger Eremitage. Während der Buchmesse beginnt eine Ausstellung im Frankfurter Archäologischen Museum, wo das Steppengold zu bewundern ist.

Viele russische Studenten verbringen ihre Sommerferien in Tuwa als Hilfsarbeiter bei Ausgrabungen, viele Schätze sind noch ungehoben. Man fährt drei Tage mit der Transsibirischen Eisenbahn. Die Studenten machen das auch deshalb, weil sie sich abends nach der harten Arbeit an den wilden hochwirksamen Hanfpflanzen gütlich tun können, die im Westen Tuwas ganze Hochebenen bedecken. Die Tuwiner rauchen meistens keinen Hanf, nur die 120-jährigen Frauen kann man pfeiferauchend im Sonnenuntergang vor den Jurten sitzen sehen. Eigentlich ist das verboten, auch in Tuwa. In jedem Paradies muss es Verbote geben.

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