Kultur : Twango Bango

MICHAEL PILZ

Verdauungsgestörte Haustiere: David Lindley im QuasimodoVON MICHAEL PILZNun ist auch er ein Berliner, gewissermaßen: David Lindley aus San Marino, Kalifornien, war elf Jahre ohne festen Plattenvertrag.Weil ihm die großen Firmen gelegentlich den Spaß an der Musik verdarben, hat er an der Spree ein kleines Label gründen lassen.Ulf Zick, ein Berliner, hat unter "ulfTone" zwei jüngere Konzertaufnahmen aus Tokio veröffentlicht und das Album zur Schau: Für zwei Nächte haben sie ihm das Quasimodo überlassen für sein "Twango Bango Deluxe" mit dem Trommler Wally Ingram.Für sein ergebenes Publikum, das seine Marotten kennt und seine Witze mag, seine Lieder über schlechtes Garderobenessen und verdauungsgestörte Haustiere.David Lindley ist noch immer ein Freund schweißtreibender, farbenfroher Polyesterhemden, von brokatenem Schuhwerk und bizarren Backenbärten.Und ein Feind ernsthafter Gastspiele: "Rammstein!" knurrt Wally Ingram.Lindley erklärt den Gitarrenhals zum Flammenwerfer, sie krümmen sich auf ihren Hockern, und die Besucher biegen sich vor Freude.Nur keine Andacht, kein Kunstgewerbe und keinen Saitensport.David Lindley spielt einen gewöhnlichen Folk Blues und füllt den Raum mit seiner Gitarre.Wenn er eine Habanera von J.J.Cale auf der Steel Guitar vorträgt oder "Do You Want My Job?" von Little Village auf zwölf Saiten feiert; wenn er Bob Dylan auf einer kurdischen Langhalslaute spielt, dann eignet er sich die Songs an wie ein Feldforscher.Er entdeckt in allem seine amerikanische Weltmusik mit Bluegrass, Country, Soul, Cajun.Und Ingram sitzt daneben wie sein künftiger Erbfolger, im Synthetikhemd hinter all seinem rasselnden Firlefanz am Schlagzeug: Er rumpelt über große Trommeln und bearbeitet Darabukkas und Keramikglöckchen.Als referierte dieses Programm David Lindleys Werdegang, seinen Global-Folk mit Kaleidoscope, seine Jobs bei Jackson Browne, Ry Cooder oder Dolly Parton, seine Reisen durch Madagaskar, Norwegen, Hawaii.Selbst der Reggae seiner El Rayo-X kommt vor.Lindley tritt den Echoknopf, simuliert seinen Dub und stammelt in jamaikanischem Patois: "I am a patriot"; nachts in Berlin.

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