Kultur : Udo Zimmermann wird 2001 Intendant der Deutschen Oper

Udo Zimmermann wird im Herbst 2001 neuer Intendant der Deutschen Oper Berlin.Der 55jährige Komponist und Leiter des Leipziger Opernhauses wird damit Nachfolger von Götz Friedrich, dessen Vertrag nach 20jähriger Amtszeit zum Sommer 2001 ausläuft.Der Sprecher des Berliner Kultursenators Radunski bestätigte am Sonntag, daß der Generalmusikdirektor der Deutschen Oper, Christian Thielemann, über die Entscheidung informiert worden sei und seine Zustimmung gegeben habe.Auf einer Pressekonferenz am 7.Mai sollen dann Einzelheiten der Nachfolgeregelung erläutert werden.Neben Zimmermann wurden bis zuletzt auch die Namen des Leiters der Münchner Musikbiennale, Peter Ruzicka, und des Intendanten des Münchner Gärtnerplatz-Theaters, Klaus Schultz als mögliche Favoriten Radunskis gehandelt.Der Kreis der Nachfolge-Kandidaten war in den letzten Tagen geschrumpft, nachdem der Salzburger Festspielchef Geread Mortier, die Stuttgarter Co-Intendantn Pamela Rosenberg und der Direktor des Basler Theaters, Michael Schindhelm, erklärt hatten, an dem Posten nicht mehr interessiert zu sein.

Überrascht von der Wahl Zimmermanns zeigte sich der Orchestervorstand der Deutschen Oper, Heinz Brößling: Es sei kein guter Stil, daß das künstlerische Personal des Hauses den Namen des Friedrich-Nachfolgers aus der Presse erfahren müsse.Wenn allerdings Generalmusikdirektor Thielemann mit Zimmermanns Ernennung einverstanden sei, sähe auch das Orchester einer Zusammenarbeit mit großer Erwartung entgegen.Udo Zimmermann selber war gestern für eine Stellungnahme nicht erreichbar war, da er zur Zeit in Österreich arbeitet.





DER KOMMENTAR

Renovieren tut not

Zumindest in einem gleichen sich Theater und Mietwohnungen: Je länger sie von ein und derselben Familie bewohnt werden, desto mehr wuchern sie zu - überall steht Zeug herum, das man eigentlich schon immer wegwerfen wollte.Wenn nur nicht so viele Erinnerungen daran hingen! Gäste von auswärts geraten da manchmal ins Staunen.Zum Beispiel, wenn sie die Deutsche Oper Berlin besuchen.Auf der Bühne wie in den Foyers spürt man überdeutlich, daß hier seit 1981 dasselbe Team am Wirken ist.Einst hat man sich häuslich eingerichtet und stört sich nun nicht mehr daran, daß sich Geschmack und Lebensstil längst geändert haben - selbst wenn die Freunde pietätvoll andeuten, die Bude sähe ja ganz schön verwohnt aus.Wer als Nachmieter so eine My-home-is-my-castle-Bastion übernimmt, muß Spaß am Renovieren haben.Im Fall von Udo Zimmermann, der 2001 Götz Friedrich in der Deutschen Oper ablösen wird, sind da Zweifel angebracht.In ästhetischen und dramaturgischen Fragen nämlich unterscheidet sich sein Geschmack wenig von dem des bisherigen Generalintendanten, wie Friedrich hält auch Zimmermann nichts davon, im Kampf ums Publikum die Konkurrenten der Freizeitindustrie mit deren eigenen Waffen zu schlagen (wie es die Staatsoper erfolgreich vormacht).Unrenoviert, ohne sichbar erneuertes künstlerisches wie visuelles Erscheinungsbild aber wird die Deutsche Oper Berlin kaum jene Zuschauerschichten anlocken können, die sie für einen Neuanfang so dringend braucht.

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