"Über das Trinken" : Wein muss auch wirken

Man kann es knallen lassen, man kann aber auch genießen. Gerrit Bartels über Ulrich Wickert, Peter Richter und das Trinken.

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Trinken und schreiben geht, weiß der „FAS“-Kulturredakteur und Harald-Schmidt-Show-Mitarbeiter Peter Richter, der gerade ein Buch „Über das Trinken“ geschrieben hat. Trinken und lesen allerdings, auch davon ist Richter überzeugt, geht nicht, insbesondere, „weil man beim Lesen einen Rausch empfindet, der den Schöpferrausch direkt zu verlängern scheint“. Natürlich lässt sich darüber streiten, ob trinken, also Alkohol trinken, und schreiben oder lesen eine gute Verbindung ist. Manche können es, was gerade bei Schriftstellern gefährliche Auswirkungen haben kann. Viele jedoch müssen spätestens nach dem zweiten Bier oder dem ersten Glas Wein den Computer ausschalten oder das Buch zuschlagen, wofür sie ihrem Schöpfer dann aber auch sehr dankbar sind.

Überhaupt nicht streiten aber lässt sich darüber, dass trinken und reden geht. Um nicht zu sagen: Das eine bedingt geradezu das andere. Wer trinkt, will auch reden und redet umso mehr, desto mehr er trinkt. Auch schön ist es, zu trinken und über das Trinken zu reden, so wie es Peter Richter am Donnerstagabend gemacht hat bei seiner Buchpremiere im Grill Royal, dem „Larger- than-life“-Restaurant (Richter) in Mitte. Sein Trink- und Gesprächspartner: der ehemalige Tagesthemen-Moderator, Sachbuchautor, Krimischriftsteller, Rotweintrinker und Frankreichkenner Ulrich Wickert.

Allerdings bewiesen die beiden, dass es auch ziemlich schwer sein kann, über das Trinken zu reden, gerade wenn die Trinkherangehensweisen so entgegengesetzt sind. Richter trinkt, damit es gewissermaßen knallt. Der tiefere Sinn des Weins ist für ihn nicht, „dass er schmeckt, sondern dass er wirkt“. Wickert trinkt, weil er genießen will, und so wollte das Gespräch sich nicht richtig entwickeln. Allerdings lag das auch daran, dass Wickert zwar trinkt und genießt, aber genauso gern redet und redet.

Wickert redete also. Er erzählte Trinkanekdoten aus seinem Leben oder gab zum Besten, dass er in Frankreich immer eine Kiste Wein für den täglichen Gebrauch, eine für besondere Gelegenheiten und eine für die französischen Freunde im Haus gehabt habe. Es drängte sich der Eindruck auf, als würde auch Ulrich Wickert liebend gern ein Buch übers Trinken schreiben. Bald stauten sich da auch im Publikum die Geschichten übers Trinken, und so waren am Ende alle ganz froh, endlich das machen zu können, was bei Veranstaltungen wie diesen sowieso am liebsten gemacht wird: trinken und reden.

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