Über die Dynamik im Buchhandel : Einmal einen Bestseller schreiben

Noch keinen Vorsatz fürs neue Jahr? Wie wäre es mit: Bestseller schreiben. So schwer kann das ja nicht sein. Das tut außerdem nicht nur dem Ego gut, sondern auch dem Bankkonto. Eine Glosse.

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Bücher im Buchhandel.
Noch keinen Vorsatz für das neue Jahr? Wie wäre es mit: Bestseller schreiben.Foto: dpa

So ein Branchenblatt wie den „Buchreport“ zu lesen hat mitunter seinen ganz eigenen Charme: „Zündet der Turbo?“ fragte das Blatt kurz vor Weihnachten und „analysierte“ den in der vierten Adventswoche im Vergleich zur dritten Adventswoche rasant gestiegenen Umsatz im Buchhandel. Und hat er schließlich wirklich gezündet, der Buchverkaufsturbo? Das konnte „Buchreport“ bislang nicht sagen. Zumindest ging es „dynamisch im Finale“ zu, aber reichen dürfte es wohl nicht, so die Branchenanalytiker zu Jahresende. Sie hoffen nun auf das in der Regel ebenfalls „lebhafte Buchgeschäft“ zwischen den Jahren, dass vielleicht noch alles hat gut werden lassen.

Und wenn man so zwischen den Jahren oder auch am ersten Januar-Samstag 2015 zum Beispiel in einer gut sortierten Thalia-Filiale wie der im Alexa war, konnten einem wirklich die Augen überquellen: so viel los hier! Und wie schön sie alle sichtbar aufgestapelt oder in Regalen auf Augenhöhe präsentiert waren, die Bücher, vor allem natürlich die Bestseller, die vom „Spiegel“ und „Buchreport“ in ihren Extrafächern und auch die Thriller und Krimis auf den großen Tischen.

Wie es wohl ist, ein Hape Kerkeling zu sein und zu sehen, wie das eigene Buch, die eigene Lebensgeschichte tausendfach an den Mann und die Frau geht? Eine Giulia Enders, deren Verdauungsorgan-Titel „Darm mit Charme“ das meistverkaufte Buch des vergangenen Jahres war? Oder auch ein Philipp Oehmke, der aus seinen „Spiegel“-Artikeln über die Toten Hosen ein Tote-Hosen-Porträt-Buch gemacht hat und es damit prompt in die Top Ten schaffte?

Man müsste auch mal Bestseller schreiben

Sich selbst und sein Schreiben solcherart vervielfältigt zu sehen, dürfte dem Ego und nicht zuletzt dem Bankkonto nur gut tun. Wer es einmal in die Bestsellerfächer der Top Zwanzig in den Herbstmonaten geschafft hat, bleibt dort meist bis weit nach Weihnachten, da können beispielsweise in der Belletristik noch so viele handelsübliche Krimis und Thriller neu veröffentlicht werden. Man schaue sich nur Robert Seethalers Roman „Ein ganzes Leben“ an, der seit 23 Wochen weit vorn steht, oder auch Lutz Seilers „Kruso“, der es schon vor dem Buchpreisgewinn in die Charts brachte und seitdem in den Top Zehn ausharrt.

Ach, denkt man, man müsste auch mal einen Bestseller schreiben! Vielleicht einen darüber, wie es ist, Bestsellerautor erst zu werden und dann zu sein, vielleicht eine Art Update des Joachim-Lottmann-Bestsellers „Mai, Juni, Juli“, der zwar beliebt, aber natürlich nie ein Bestseller war. Also einen Möchtegern-Bestseller mit dem Titel „August, September, Oktober“, veröffentlicht pünktlich zum Weihnachtsgeschäft.

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