Kultur : Über die Grenze

Der Literaturwissenschaftler Leslie A. Fiedler ist tot

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Er gehörte neben Harold Bloom, Geoffrey Hartman und Paul de Man zu den einflussreichsten Vertretern der amerikanischen Literaturwissenschaft. Fiedler stand für die programmatische Literarisierung des Stils an den Universitäten (der man heute in ihrer Hypertrophie fast wieder überdrüssig wird) und war in den 60er und 70er Jahren eine Art akademischer Bürgerschreck.

1917 in New Jersey geboren, machte er nach einer mehrjährigen Tätigkeit als Übersetzer bei der US Navy durch eine querständige Studie zu homoerotischen Aspekten in Mark Twains „Tom Sawyer“ auf sich aufmerksam; im Jahre 1948, lange vor den „gender studies“, ein gewagtes und provozierendes Unternehmen.

Weltberühmt wurde er mit einem Vortrag, den er im Jahre 1968 als Gastprofessor in Freiburg hielt und der wenig später unter dem Titel „Cross the Border, Close the Gap“ („Überschreite die Grenze, schließe die Lücke“) an einem für Literaturtheorie ungewöhnlichen Ort erschien: im amerikanischen „Playboy“. Er erklärte die traditionellen Kunstbegriffe für tot, plädierte für die Sprengung des Kanons und die Einbeziehung der Pop und Trashkultur in die akademische Kritik und rief die großen Gattungen der neuen, „postmodernen“ Kunstbetrachtung aus: Western, Porno und Science- Fiction. Fiedler war es übrigens, der – zusammen mit französischen Kollegen – den Begriff „Postmoderne“ durchsetzte. 30 Jahre war er Professor an der New York State University. Am Mittwoch ist er in Buffalo im Alter von 85 Jahren gestorben.mel

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