Kultur : Über die Hintergründe des Selbstmordes kann nur spekuliert werden

Der Schlagersänger Rex Gildo ist im Beisein seiner Frau am Dienstag um 23.45 Uhr in der Münchner Uniklinik gestorben. Wie der Leiter der Chirurgischen Klinik, Professor Wolf Mutschler, am Mittwoch sagte, ist die "akute Todesursache Herz-Kreislauf-Versagen aufgrund der Herzquetschung". Das bei dem Sturz aus dem 2. Stock am Sonnabend stark geschädigte Herz habe die anderen Organe nicht mehr ausreichend mit Blut versorgen können. "Er selbst hat nichts mehr mitbekommen", sagte der Arzt. Rex Gildo war auf der Intensivstation von Anfang an in einem tiefen, künstlichen Koma gehalten worden. "Von einem Todeskampf kann man nicht reden", sagte Mutschler. Gildos Frau Marion habe den Tod ihres Mannes sehr gefasst aufgenommen. Jetzt müsse die Staatsanwaltschaft entscheiden, ob Gildos Leiche obduziert werde. Eine Überprüfung sei bei unnatürlichen Todesfällen vorgeschrieben.

In der Klinik kamen bis Mittwoch "einige Körbe voll mit Briefen an, auch kleine Geschenke, Plüschtiere waren dabei", sagte Mutschler.

Über das Motiv für den Selbstmord rätseln Fans und Kollegen. Nach Einschätzung einiger Schlagersänger war Rex Gildo für den Hohn und Spott, der ihm zuletzt entgegenschlug, einfach zu sensibel. Er habe es wohl nicht verkraftet, wenn er gleich zu Beginn von Auftritten mit "Hossa"-Rufen verspottet wurde. Dazu passen Berichte, dass höhnische Fans bei seinem letzten Auftritt offenbar sogar an seiner Perücke gezupft haben sollen. Der Moderator der ZDF-"Hitparade", Uwe Hübner, forderte als Konsequenz aus Gildos Tod einen menschlicheren Umgang in der Branche. Ein Künstler gehöre auf eine Bühne und nicht in einen "Möbelmarkt zwischen Betten". Auch ein Manager müsse dafür sorgen, dass ein Künstler nicht unter seinem Niveau auftrete.

Auf der anderen Seite werden Stimmen laut, die eher Probleme mit seinem Partner nahelegen. So war in Medienberichten davon die Rede, sein Partner habe ihm vor der Verzweiflungstat gesagt, er wolle mit ihm Schluss machen.

Der Schlagersänger Jürgen Drews sagte, Gildo habe private Probleme gehabt. Welche das seien, sagte er nicht. Gildos Plattenmanager Kanthak sagte, er glaube nicht, dass das Motiv für den Selbstmordversuch mangelnder Erfolg gewesen sei. Er fügte hinzu: "Erfolgsdruck hat man in jedem Job." Gildo habe als einer der wenigen Sänger, "die es vor 40 Jahren schon gab", noch einen Plattenvertrag. Auch verkaufe er "gut" Platten.

Auch Schlagersänger Andre Stade ist Vermutungen entgegengetreten, Gildo habe sich das Leben wegen Erfolglosigkeit nehmen wollen. Stade sagte, auf Schlagerstars laste zwar "jede Menge Druck". Gildo sei aber immer noch gefragt gewesen. Der 60-Jährige habe große Auftritte bei Galas und Konzerten gehabt. Engagements in Möbelhäusern und auf Festen gehörten für jeden Schlagersänger mit zum Geschäft. Mit einem Abstieg habe dies nichts zu tun. Auch diese Auftritte seien wichtig. "Da ist das Volk", sagte Stade.

Kollege Patrick Lindner sagte, er habe Gildo seit zehn Jahren gekannt. Gildo habe sich sicher nicht wegen Erfolglosigkeit das Leben nehmen wollen. Vor einigen Wochen habe der Schlagerstar noch die "Goldene Stimmgabel" bekommen. Über die Bestätigung seiner Leistung habe sich Gildo sehr gefreut. Er habe ein "Riesenpublikum" gehabt und sei viel unterwegs gewesen.

Die Sprecherin von Gildos Plattenfirma Koch, Silvana Krieg, sagte, bei ihrem letzten Treffen habe der Schlagerstar noch "sehr vital, sehr optimistisch" gewirkt. Man habe geglaubt, gemeinsam noch einen Hit landen zu können. Sie hätten am 5. November ein Partyalbum veröffentlichen wollen. Das werde jetzt verschoben. Statt dessen werde ein Doppelalbum mit dem Titel "Unvergesslich" erscheinen.

Die Arbeitsgemeinschaft Deutscher Schlager kritisierte derweil "geschmacklose Profilierungsversuche einiger Kollegen" des Gestorbenen. Einige derjenigen, die jetzt ihr Bedauern ausdrückten, hätten nur wenig oder niemals mit Gildo auf der Bühne gestanden.

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