Überblick : Kurz & kritisch

Drei Filme aus PANORAMA und SPECIAL in der Kurzkritik: die Doku „¡Women Art Revolution“, die Komödie „Gianni e le donne“ und der Gangsterfilm „The Guard“.

von
Böser Bulle. Brendan Gleeson als irischer Landpolizist in „The Guard“.
Böser Bulle. Brendan Gleeson als irischer Landpolizist in „The Guard“.Foto: Berlinale

PANORAMA

Mit Witz gegen die Prüden: 

„¡Women Art Revolution“

„¡Women Art Revolution“ – etwas anmaßend mag der Titel schon klingen. Doch die Sache selbst wird jedem Größenwahn gerecht. Denn der Aufbruch der US-amerikanischen feministischen Kunstbewegung seit den späten sechziger Jahren gab die Initialzündung für kulturelle Umbrüche, mit denen weltweit bis heute gerungen wird. Der Film von Berlinale-Stammgast Lynn Hershman Leeson bildet dazu das beinahe enzyklopädische Standardwerk, an dem die Regisseurin Jahrzehnte ihres Lebens gearbeitet hat. Dabei zeigt „¡Women Art Revolution“ auch, wie haltlos die verbreiteten Vorurteile zur Lust- und Humorlosigkeit des frühen Feminismus sind. Im Gegenteil: Oft waren gerade Witz und Unflätigkeit Waffen gegen die Prüderien der anderen Seite. So wurde noch 1986 Judy Chicagos Opus Magnum „The Dinner Party“ in den USA wegen eines Pornografie-Verdikts stundenlang im US-Kongress debattiert. Die innerfeministische Kritik am Weiblichkeitswahn dieses und ähnlicher Kunstprojekte wird allerdings im Film unterschlagen.

Formal erstaunt, dass auch diese Botschaft aus dem Herzen der Kunstszene mit dem üblichen Mix aus Interviews und Schnipseln so konventionell wie andere amerikanische Dokumentationen daherkommt. Darüber hinweg tröstet die enorme Fülle des Materials, das online erweitert werden kann (Webseite: womenartrevolution.com) und Leesons Film zu einer Referenzquelle für künftige feministische Aktivitäten machen dürfte. Dass diese immer noch nottun, lässt sich in vielen Filmen der diesjährigen Berlinale studieren.Silvia Hallensleben

Heute 20 Uhr (Cinestar 7); 14. 2., 14.30 Uhr (Cinestar 7); 20. 2., 17 Uhr (Cinestar 7)

SPECIAL

Das süße Diesseits:

„Gianni e le donne“ aus Italien

Es ist alles wie immer: Sommer in Rom, die Straßen sind menschenleer, alte Männer sitzen vor der Haustür, alte Damen spielen Karten, die Tage fließen dahin. Ein entspanntes Leben auch für Gianni, wenn da nicht so viele Frauen wären, mit kurzen Röcken und langen Beinen, da steigt der Blutdruck, und das eine oder andere kühle Glas Weißwein tut gut. Mit dieser liebenswürdigen Mischung aus italienischem dolce vita und ins Komische gewendeter Verzweiflung hat Gianni di Gregorio vor drei Jahren mit „Pranzo di Ferragosto“ einen Überraschungshit gelandet. Die Story eines mittelalten Single-Hausmanns, der über die Sommerfeiertage plötzlich vier eigenwillige ältere Damen zu hüten hat, war der Festivalerfolg des Sommers.

Nun hat di Gregorio mit „Gianni e le donne“ eine ähnliche Story nachgelegt, erneut mit ihm selbst in der Hauptrolle und der wunderbar aristokratischen, inzwischen 95-jährigen Valeria di Franciscis Bendoni als Mutter. Trotzdem stimmt der Ton nicht mehr. Weil „Gianni e le donne“ eben nicht Fellinis „La città delle donne“ ist. Und die erotischen Leiden des mittelalten G. längst nicht so komisch sind wie die versammelte Lebensklugheit von vier über 80-Jährigen. Christina Tilmann

Heute 18 Uhr (Cubix 8); 20. 2., 18 Uhr (Cubix 8)

PANORAMA

Bang, Boom, Bang:

Die Gangster-Komödie „The Guard“

Der Kerl hat einen miserablen Kleidungsgeschmack, eine miserable Arbeitsmoral und meist miserable Laune. Unterschätzen sollte man Gerry Boyle (Brendan Gleeson) aber nicht: Der wanstige Grantbold- Polizist von der irischen Westküste hat durchaus lichte Momente. Als sich anfangs eine Gruppe von Drogendealern mit dem Auto zu Tode rast, klaut er sich eine Ecstasy-Pille und kommentiert trocken: „What a beautiful fucking day!“ Eineinhalb Stunden und ein paar Leichen später tritt er zum Showdown mit ein paar Gangstern an. Während tarantineske Italo-Western-Musik ertönt, macht Gerry: Bang, Boom, Bang! Dazwischen macht er vor allem eines: rassistische Sprüche klopfen, die seinem afroamerikanischen FBI–Kollegen (Don Cheadle) aufwühlen.

Dieses ungleiche Ermittlerpaar ist die Hauptattraktion von John Michael McDonaghs Debütfilm „The Guard“. Zwar findet McDonagh zwischen schräg-turbulenten Actionszenen und träg-konventionellen Schuss-Gegenschuss-Dialogen keinen einheitlichen Rhythmus. Aber mit Brendan Gleeson und Don Cheadle hat er zwei Hauptdarsteller, die seine knallbunte schwarze Komödie spielend über die Zeit retten. Julian Hanich

Heute 20 Uhr (International); 14. 2., 19.30 Uhr (Cinemaxx 7); 15. 2., 14 Uhr (International); 16. 2., 17 Uhr (Cubix 9); 18. 2., 21.30 Uhr (Cinemaxx 7)

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