Kultur : Überfordern statt unterschätzen

Zwei Diskussionen fragen: Was ist ein guter KINDERFILM?

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Zwei Diskussionen beschäftigten sich in diesen Tagen mit dem Thema Kinderfilm. Am Montag versammelte der Förderverein Deutscher Kinderfilm Produzentin Ingelore König, Ki.Ka-Redakteur Stefan Pfäffle, Regisseur Christian Zübert und Autorin Holly-Jane Rahlens. Das Thema: „Was ist ein guter Kinderfilm?“. Doch die angeregt diskutierenden Teilnehmer um Moderator Alfred Holighaus kommen gar nicht erst auf einen Nenner in der Frage, was ein Kinderfilm eigentlich ist. Kaum schlägt Zübert das Alter des Protagonisten als Definitionsgrundlage vor, da finden die Mitdiskutanten auch schon Beispiele für Kinderfilme mit erwachsenen Hauptfiguren und Erwachsenenfilme mit Kindern.

Und was heißt schon „Kinder“? Die Entwicklungsschritte sind so rapide wie individuell, alle Altersklassen zu bedienen, ist kaum möglich. Aus dem Publikum kommt „Ice Age“ als Beispiel für einen Film, bei dem Zuschauer jeden Alters auf ihre Kosten kommen: „Warum kriegen wir so was nicht hin? Sind wir einfach nicht gut genug?“ „Das finde ich jetzt typisch deutsch“, sagt die in New York geborene Rahlens.

Zwei Tage später lädt die Kinder- und Jugendfilmsektion Generation zum Gespräch ins Haus der Kulturen der Welt. Teilnehmer: die Filmemacher Mark Cousins aus Irland, Marité Ugas aus Peru und Frieder Schlaich aus Deutschland sowie Maxine Williamson von der Asian Pacific Screen Academy und Rasmus Horskjær vom Dänischen Filminstitut. „This is not a children’s film“ – der Titel der Veranstaltung verrät, dass man sich der begrifflichen Schwierigkeit bewusst ist. Dennoch herrscht schnell Einigkeit, etwa darin, dass junge Zuschauer generell unterschätzt würden, obwohl sie doch viel lieber überfordert würden. Horskjær nennt in diesem Zusammenhang „Uhrwerk Orange“ als den perfekten Jugendfilm und erntet verblüffte Blicke, aber keinen Widerspruch.

Am Ende tritt Marion Döring auf die Bühne und verkündet eine frohe Botschaft von der Europäischen Filmakademie. Diese wird ab diesem Jahr drei Kinderfilme auswählen, die am 10. Juni in sechs europäischen Städten, darunter Erfurt, aufgeführt und vom Publikum bewertet werden. Welcher Vorstellung von Kinderfilm die EFA anhängt, wird sich herausstellen, wenn die Vorauswahl bekannt gegeben wird. David Assmann

Eine Sonderseite zu den Filmen der Sektion Generation finden Sie auf Seite 23.

Ist „Ice Age“ perfekt

für junge Zuschauer?

Oder eher „Uhrwerk Orange“?

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