Kultur : Überfüttert mit Schaum

SYBILL MAHLKE

Wenn in der Baracke des Deutschen Theaters 100 Zuschauer versammelt sind, spielt das Ausverkauft-Feeling mit, vollbesetzt, nichts geht mehr.Sitzen im Kammermusiksaal der Philharmonie 500 Leute, drückt der Eindruck des gähnend Leeren aufs Gemüt.Denn die unerbittliche Architektur rechnet nicht damit, daß ihre "Weinberge" hier und da weniger behütet sein könnten als in der Euphorie der Karajan-Eröffnung.Dem Blick nach vorn über das Podium hinweg drängen sich die vakanten Blöcke auf.Da fällt es schwer, den Raum zu lieben.

Bei einer Veranstaltung wie dem dritten Konzert in der Kammermusik-Serie des Deutschen Symphonie-Orchesters Berlin will man indes auch dem abwesenden Publikum nicht böse sein.Denn die Kompositionen der beiden Pariser Konservatoriumsprofessoren, die den Zuhörern ausschließlich klingende Schaumspeise servieren, verdienen keinen abendfüllenden Rang.Samuel Seidenberg (Horn), Falk Maertens und William Foreman (Trompete), Andrßs Fejer, Sebastian Krol, Rainer Vogt (Posaune), Richard Nahatzki (Tuba), Thomas Lutz und Erich Trog am Schlagzeug mit dem Pianisten Holger Groschopp werden spontan beklatscht, weil sie sich naturgemäß und erfolgreich Mühe geben mit der Musik.

Bei Jacques Castérède (geboren 1926) nimmt sie in frohem Naturton der Posaune oder behutsam schräger Tubaakrobatik manchmal noch Tupfer von Parodie auf.Eugène Bozza (1905-1991) ist sogar in eine frühere Auflage des Riemann-Lexikons (1959) geraten, aber inzwischen wieder herausgefallen.Sein Bläserfutter ist angerichtet, um zu delektieren.Mit Hornruf, Echos, Signalcharakter, Sequenzmelodik schreiten die Stücke, "En forêt" oder "Rustique" genannt, munter fort.Eine Sonatine für zwei Trompeten, Horn, Posaune und Tuba macht das Ensemble sich so zu eigen, daß es sehr gefällig aufgenommen wird.Das Programmheft weist rechtens auf Haydn-Vorbilder und Landschaftsklänge hin.Als Musik des zwanzigsten Jahrhunderts, egal ob "E" oder "U", befremdet das Ganze mit einem zeitlosen Erscheinungsbild.

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