Kultur : Überleben in einer verkanteten Welt

Historiker mit journalistischem Temperament: zum 80. Geburtstag von Peter Bender

Hermann Rudolph

Er hat sein ganzes Leben „für den Tag“ geschrieben, ist also ein Journalist, aber er verkörpert diesen Beruf in einer Facon, wie sie mittlerweile selten vorkommt. Was immer Peter Bender schrieb: Es verstand sich als Beitrag zur öffentlichen Debatte, lebte aus einem breiten, in einer fundierten Bildung abgestützten Interesse und war getragen von einem entschiedenen, unübersehbaren Engagement.

Dieser gelernte Althistoriker hat das flüchtige Metier des Journalismus – noch dazu zumeist als Hörfunk-Mann, wo sich doch alles „versendet“ – immer als ernsthafte Angelegenheit betrieben: um zu erkennen, um auf zuklären und um das als richtig Erkannte zu befördern. Für ihn, den Berliner, geprägt durch die Auseinandersetzung mit den grossen Katastrophen des vergangenen Jahrhundert, hieß das: Ost-West-Konflikt, deutsche Teilung, Entspannungpolitik als Suche nach Lebens- und Überlebenswege in einer bedrohlich verkanteten Welt. Seine Form hat der bedeutende Stilist, der Bender immer gewesen ist, immer auch im Essay gefunden, in Gruß-Nähe zum Gespräch der Experten und zur Wissenschaft.

Es gehört dazu, dass er nicht zuletzt durch seine Bücher gewirkt hat, angefangen mit der 1964 erschienenen „Offensiven Entspannung“ – die nun allerdings nichts Geringeres war als eine fulminante Theorie der neuen Ostpolitik –, fortgesetzt in mehreren Anläufen zu Geschichte des Ost-West- Konflikts. Es ist bezeichnend für Peter Benders Zeit- und Geschichtsbild, dass diese Theorie ihre Pointe in der Verfolgung der untergründigen Parallelen west- und ostdeutschen Verhaltens hatten.

Muss man sich wundern, dass ein solches Temperament in den Zeiten des Pop-Journalismus unzeitgemäß wirkt? Aber ein rarer Kopf war dieser Publizist schon immer. An diesem Montag wird Peter Bender achtzig Jahre alt.

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