Kultur : Überleben ist alles

Das Art Forum Berlin veröffentlicht seine Teilnehmerliste

Peter Herbstreuth

Die guten Nachrichten zuerst: Die treuesten Teilnehmerinnen der Berliner Kunstmesse Art Forum (1. bis 5. Oktober) sind die Kunstzeitschriften. Fast alle sind seit der ersten Messe im Jahr 1996 dabei. Von den Berliner Galerien blieben dagegen allein Arndt & Partner, Volker Diehl, Anselm Dreher, Eigen + Art, Kicken, Christian Nagel, Thomas Schulte, Barbara Thumm, Springer & Winkler und Zwinger. Sonst hat sich dieses Jahr alles verändert. Die soeben veröffentlichte Teilnehmerliste macht es deutlich. Zu viele Galerien, die mit bedeutenden Künstlern im internationalen Geschäft sind, haben das Art Forum vorerst aufgegeben. Die Herbstmesse läuft ohne carlier/gebauer, Chouakri Brahms, Contemporary Fine Arts, Ikeda, Neu, neugerriemschneider, Max Hetzler, Klosterfelde, Nordenhake, Schipper & Krome, Barbara Weiss. Überdies sind Barbara Thumm und Burkhard Riemschneider aus dem Galerienbeirat ausgetreten. Die Appelle an „Standortverantwortung“ angesichts des „großen Potenzials der Stadt“ ziehen nicht mehr.

Der Berlin-Hype ist vorüber, und die Ambitionen der vorwiegend Kölner Gründungsväter, aus der anfänglichen Protestveranstaltung gegen die Art Cologne einen spannungsvollen Messestandort in Berlin zu etablieren, haben sich bisher nicht erfüllt. Die Fantasien der Händler entzünden sich jetzt, wenn sie „London“ läuten hören. Dort wird die neue Kunstmesse Freeze mit noch unerprobten Konzepten vorbereitet. Alles ist offen und auf Anfang gestellt. Das lieben die Händler junger Kunst. Deshalb sind auch viele aus der ersten Liga dabei – und fehlen als Aussteller in Berlin.

Egozentrische Einzelpositionen

Die Energien für das Art Forum verloren sich in Unstimmigkeiten der Galeristen untereinander und gegenüber der Messeorganisation, in mittelmäßigen Verkäufen, Innovationsstau und Kommunikationsdefiziten. So wurde man zu schwach, um noch selbstbewusst gegen London in die Offensive zu gehen und den hiesigen Standort zu verteidigen. Die vorhersehbare Zurückhaltung gegenüber dem Art Forum sollte durch Reduktion der Teilnehmerzahl um ein Drittel auf einhundert Galerien aufgefangen werden.

Die Spitzen des internationalen Kunsthandels für jüngere Gegenwartskunst lassen sich nun an einer Hand abzählen. Hoffnungen, mit weniger Galerien mehr Qualität zu konzentrieren, schlugen fehl. Es sind jetzt mehr Galerien mit kürzerer Reichweite und geringerem Spektrum beteiligt. „Angesichts der vielen Messen war der Aderlass im Prinzip die richtige Entscheidung“, sagt Christian Nagel, Mitglied des Galerienbeirats und Vorsitzender der Jury. „Es mag sein, dass dieses Jahr nicht alle beteiligten Galerien in der ersten Reihe stehen. Aber wir wollen und können neben London, Paris und Köln bestehen. In Berlin haben sich viele egozentrische Einzelpositionen entwickelt, leider aber kein Gemeinsinn. Wir werden sehen, wie Berlin neben den Herbstmessen in London, Köln und Paris aussieht.“ Vor acht Jahren wollte man in puncto junger Kunst Basel die Stirn bieten. Heute ist Überleben alles.

Die jüngste Verlautbarung des Art Forums eilt unbekümmert der Zukunft voraus. Die Messe habe sich „erfolgreich konsolidiert“. Man sei endlich in die von Richard Ermisch erbauten lichtdurchfluteten Hallen unter dem Funkturm umgezogen. „Die attraktivste und innovativste Messe des Kontinents für internationale Gegenwartskunst“ zeige nun „zum achten Mal kompromisslose Kunst unserer Tage mit bewährtem Konzept in neuem Gewand“.

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