Übernimmt Neil MacGregor das Humboldtforum? : Ein Schotte und viele Museen

Spekulationen um den zukünftigen Leiter des Humboldtforums: Kommt Neil MacGregor, Chef des British Museum, nach Berlin?

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Neil MacGregor.
Neil MacGregor.Foto: dpa

Für die Intendanz des künftigen Humboldtforums werden seit längerem Namen gehandelt, doch jetzt gibt es eine Meldung von Substanz. Wie die Londoner „Sunday Times“ in ihrer aktuellen Ausgabe berichtet, soll sich Bundeskanzlerin Angela Merkel mit Neil MacGregor, dem Direktor des Britischen Museums, getroffen und ihm das Berliner Spitzenamt angetragen haben. Unlängst war Kulturstaatsministerin Monika Grütters in London, um die Ausstellung „Deutschland – Erinnerungen einer Nation“ im British Museum zu eröffnen, ein deutliches Zeichen für das gute Einvernehmen. Die Ausstellung, die ein Bild von Deutschland in 200 Objekten malt und ganz die Handschrift MacGregors trägt, hat durchweg begeisterte Kritiken erhalten.

MacGregor ist nicht nur ein erfahrener und exzellenter Museumsmann – das British Museum führt er seit 2002 –, sondern auch ein hervorragender Vermittler. Und er ist mit Deutschland bestens vertraut, seit er in den fünfziger Jahren als Austauschschüler in Hamburg war. Er spricht fließend Deutsch; vor allem kennt er auch die Berliner Museumslandschaft von vielen Besuchen als Berater für den Ausbau der Museumsinsel. Allerdings ist MacGregor bereits 68 Jahre alt – er könnte also als Gründungsintendant des Humboldtforums wirken und es inhaltlich aufstellen, müsste aber in absehbarer Zeit einen Nachfolger suchen.

MacGregor war als Generaldirektor der Staatlichen Museen Berlin im Gespräch

Allerdings hat MacGregor vor wenigen Jahren schon das Angebot zur Leitung des New Yorker Metropolitan Museum of Art ausgeschlagen, einer vergleichbaren internationalen Institution. Auch als Generaldirektor der Staatlichen Museen Berlin war er zwischenzeitlich im Gespräch. Stattdessen hat MacGregor quasi nebenbei in Großbritannien erfolgreiche Fernseh- und Radiosendungen gestaltet. Die bekannteste, „Eine Geschichte der Welt in 100 Objekten“, wurde zugleich als Buch produziert – auch dies ein Erfolg und der Beweis, dass sich mit den Schätzen eines Museums nicht nur Wissen vermitteln lässt, sondern auch Unterhaltung auf höchstem Niveau möglich ist.

Neil MacGregor ist gebürtiger Schotte des Jahrgangs 1946, hat sein Berufsleben aber überwiegend in London verbracht. Zunächst studierte er Jura und Sprachen in Oxford und Paris, wechselte dann zur Kunstgeschichte ans renommierte Londoner Courtauld Institute. 1987 wurde er Direktor der National Gallery, bevor er in gleicher Funktion ans Britische Museum wechselte. Zugleich hat er sich stets zu Wort gemeldet, wenn die Rolle der großen Universalmuseen als Hüter von Kulturschätzen aus aller Welt in Zweifel gezogen wurde. Gerade hat MacGregor sich Ärger mit der Ausleihe einer Skulptur vom Athener Parthenon an die Eremitage in St.Petersburg eingehandelt. Dabei hatte er bereits zu seinem Amtsantritt deutlich gemacht, dass er der griechischen Forderung auf Rückführung der in seinem Museum beheimateten Friesplatten vom Parthenon nach Athen nicht nachkommen werde.

Humboldtforum braucht gute Struktur

Für das Humboldtforum muss bald eine eigene Struktur geschaffen werden, die die unterschiedlichen Bereiche von musealen Ausstellungen, Bibliothek und breitem öffentlichen Veranstaltungsprogramm zusammenbindet. Ein Leiter von der Reputation eines Neil MacGregor wäre am ehesten geeignet, divergierende Ansprüche auszutarieren und sich gegenüber der Politik als starker Partner zu zeigen.


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