Kultur : Ufos in der Steiermark

Graz präsentiert sich als Kulturhauptstadt Europas 2003

Tilla Fuchs

Der Nabel der Welt oder doch zumindest Europas wird im kommenden Jahr das österreichische Graz sein. Die Besucher der Kulturhauptstadt 2003 erwartet ab 9. Januar ein breit gefächertes Programm: Im Vordergrund steht die Zusammenarbeit mit internationalen Künstlern. So zeigt die Choreographin der Berliner Schaubühne, Sasha Waltz als Ko-Produktion mit dem steirischen herbst das Tanzstück „insideout“ (September 2003), das die Frage nach der Identitätsbildung von Menschen unterschiedlicher Nationalität stellt. Grenzübergreifend ist auch das „Projekt interreligiöses Europa“, in dessen Rahmen Graz im Juli 2003 gemeinsam mit der Stadt Sarajevo zu einer Konferenz lädt.

Peter Weibel, Leiter des Zentrums für Kunst und Medientechnologie Karlsruhe, ist gleich an zwei Projekten in Graz beteiligt: Die Ausstellung „M–ARS“ eröffnet im Januar 2003 und befasst sich mit dem Verhältnis von Kunst und Krieg. Weibel präsentiert auch das Sacher-Masoch-Festival „Phantom der Lust“ (April bis August 2003), das den verfemten Schriftsteller und „Begründer“ des Masochismus, rehabilitieren soll.

Ein weiterer Höhepunkt der Kulturhauptstadt wird sicherlich Vito Acconcis Projekt sein. Der New Yorker Künstler konstruiert eine Insel aus Stahl und Glas inmitten des Flüsschens Mur, dass sich durch die Grazer Innenstadt schlängelt. Acconcis Entwurf stellt verschiedene Flächen einer Muschel dar und bietet Raum für ein Kaffeehaus, ein Amphitheater und einen Kinderspielplatz. Wenn es um große Namen geht, hat auch Graz einiges zu bieten: Neben Leopold von Sacher-Masoch ist der Name Nikolaus Harnoncourt eng mit der Stadt verbunden. Er wird im Juni und Juli 2003 Jacques Offenbachs „Herzogin von Gerolstein“ dirigieren.

Eine Ausstellung über die „Meisterwerke der steirischen Moderne“ widmet sich regionalen Künstlern die, fernab von den kulturellen Ballungszentren, einen eigenen Stil entwickelt haben. Gezeigt werden auch Werke von international bekannten Malern wie Wilhelm Thöny und Günter Brus.

Mit bis zu zwei Millionen Besuchern rechnet der Geschäftsführer der Kulturhauptstadt, Manfred Gaulhofer. Dass den Grazern auch nach dem großen Ansturm noch etwas vom Kulturjahr bleibt, ist sicher: Das bedeutendste Objekt ist der Entwurf für das „Kunsthaus“ von Peter Cook und Colin Fournier. „Friendly alien“ nennen die Grazer das Gebäude, das mit seinen kraterförmigen Lichtschächten und seiner biomorphen Form tatsächlich ein wenig an ein UFO erinnert.

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