Kultur : Ulrich Peltzer ist mit seinem Roman "Alle oder keiner" auf dem ersten Platz

Seit der Verleihung des Literatur-Nobelpreises an Günter Grass wird landauf, landab nach neuen Stars gesucht. Das Problem ist nur, dass Autoren, die vor kurzem noch Entdeckungen waren, dabei schon wieder unter den Tisch fallen: weil nur das unverbrauchte Gesicht zählt. Weil die Medien vergesslicher denn je sind. Oder weil die betreffenden Autoren an einem Begriff von Literatur festhalten, der den Respekt vor dem einschließt, was schon geschrieben worden ist. Ulrich Peltzer, Jahrgang 1956, ist so ein Autor, der zwischen den alten Helden und den jungen Shooting Stars seinen eigenen Erzählweg sucht und mit seinen Büchern "Die Sünden der Faulheit" (1987) und "Stefan Martinez" (1995) schon recht weit gekommen ist. Mit seinem dritten Roman "Alle oder keiner" (Ammann), der Geschichte eines Berliner Diplompsychologen, die eher ein "Patchwork der Wahrnehmungen" ist, hat er es im November an der Spitze der SWR-Bestenliste geschafft. Aber aufregende Texte sind keine Frage des Alters. Peter Rühmkorf, der gerade seinen siebzigsten Geburtstag gefeiert hat, ist einer der jüngsten, vitalsten und frechsten deutschen Autoren geblieben. Man muss nur seine "Vorletzten Gedichte" mit dem Titel "Wenn - aber dann" (Rowohlt) lesen. Rainald Goetz, der sein Internet-Tagebuch "Abfall für alle" (Suhrkamp) jetzt als "Roman eines Jahres" in Buchform veröffentlicht hat, kommt auf Platz drei - er wird noch in dreißig Jahren als Junger Wilder gelten. Der Briefwechsel zweier etwas älterer Herren, Siegfried Unseld und Uwe Johnson, belegt Rang vier (Suhrkamp). Der Franzose Michel Houellebecq ist mit seinem skandalumwitterten zweiten Roman "Elementarteilchen" (DuMont) auf Platz fünf neu dabei. Postum wieder ins Gespräch hat der Piper Verlag den großen Ungarn Sándor Márai und dessen k.u.k.-Roman "Die Glut" gebracht, der sich mit Wolfgang Schlüters Neu-Übertragung von Christopher Marlowes "Sämtlichen Dramen" (Eichborn) die Plätze sechs und sieben teilt. "Willkommen, Bob" (Suhrkamp), die gesammelten Erzählungen von Juan Carlos Onetti aus Uruguay, steht auf Platz acht. Die Ränge neun und zehn schließlich teilen sich Jürgen Becker mit seinem deutsch-deutschen Roman "Aus der Geschichte der Trennungen" und Hans Magnus Enzensbergers Gedichte "Leichter als Luft" (beide Suhrkamp). Als persönliche Empfehlung im Monat November nennt Sibylle Cramer das Doppelheft 13/14 der von Urs Engeler im eigenen Editor Verlag herausgegebenen Lyrikzeitschrift "Zwischen den Zeilen".

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