Kultur : Ulrike Feser

Claudia Wahjudi

Als Sehnsuchtsraum hat die Wüste ausgedient. Wo Europäer einst edle Beduinen, Abenteuer und Freiheit vermuteten, schießen heute Reporter Fotos von brennenden Pipelines. Es ist diese Kluft zwischen den alten Träumen vom Orient und den aktuellen Pressebildern, die Ulrike Fesers neue Arbeiten so beklemmend wirken lässt. Bei Joanna Kamm zeigt die Berliner Künstlerin sechs meist farbige Fotografien aus der Wüste Sinai (Auflage 3), aus Ferienregionen am Roten Meer, in die es Taucher und Bildungsreisende auf der Suche nach biblischen Schauplätzen zieht. Doch zu sehen sind weder Paradies noch Hölle, sondern Landschaften im Ungefähren: eine Bucht mit einem Kontrollpunkt, eine Flugzeughalle im Sand, ein Reisebus am Horizont.

An das Traumbild der Wüste jedoch erinnern die breiten Fotoformate, die an Cinemascopefilme wie „Lawrence von Arabien“ denken lassen, ebenso das Video von einem tanzenden Derwisch und eine kleine Installation aus Pfauenfedern mit einem Porträt von Klaus Kinski (alle Arbeiten 1000 bis 3000 Euro): Der Schauspieler steht hier für westliche Kulturschaffende, die ihr Ego vor exotisch-erhabenen Kulissen inszenieren. Doch auch die Reisefreiheit, die Abendländer genießen, kann zu einer Angelegenheit von gestern werden. Kurz vor Ausstellungsbeginn ist die Drohung, die aus Fesers Fotos spricht, erneut wahr geworden – mit den Anschlägen im Ferienort Dahab auf dem Sinai.

In Berlin zeigt ein Dia einige Palmen, eine kleine Oase. Ulrike Feser hat sie im Erholungspark Marzahn aufgenommen.

Galerie Joanna Kamm, Rosa-Luxemburg-Straße 43/45, bis 24. Juni; Dienstag bis Sonnabend 11 – 18 Uhr.

0 Kommentare

Neuester Kommentar