ULTRASCHALLEin Tag für Karlheinz Stockhausen : Modulatoren-Metaphysik

Ulrich Pollmann

Eigentlich sollte es ein Tag mit Karlheinz Stockhausen werden, aber nach dem überraschenden Tod der Zentralfigur der Nachkriegsavantgarde bekommt der Abschluss des Ultraschall-Festivals für neue Musik nun den Charakter einer Gedenkveranstaltung. Und bietet somit Gelegenheit, einen der innovativsten Musiker unserer Zeit kennen zu lernen.

Schon am Freitag sind im Radialsystem zwei Stockhausen-Klassiker zu hören: Die epochale elektronische Komposition „Gesang der Jünglinge“ von 1955 nutzt erstmals hochkomplexe Tonbandcollage-Techniken. Und „Mantra“ für zwei Klaviere und Elektronik manipuliert den Klavierklang mittels Ringmodulatoren. Töne werden gespreizt, gedehnt, projiziert. Womit eine zentrale Idee Stockhausens angesprochen wäre: die Erschaffung des Kosmos aus einem Kern, einer Formel. Sein zentrales Werk ist der gewaltige Opernzyklus „Licht“, der indes so metaphysisch verbrämt ist, dass selbst hartgesottene Freunde des Meisters ins Zweifeln geraten. Bei Ultraschall sind Sonntag jedoch bis tief in die Nacht weltanschaulich leichter verdauliche Werke zu erleben. Es gibt Stockhausen-Filme und -Vorträge, eine Einführung in seine Klaviermusik und einige letzte Werke, so die „Cosmic Pulses“ für achtkanaliges Tonband: ein Stück, mit dem Stockhausen bei der Uraufführung im vergangenen Jahr in Rom noch einmal die junge Generation der Elektronikmusiker begeisterte. Zu hören sind Musiker, die eng mit Stockhausen zusammen gearbeitet haben, die Klangregie führt der langjährige Assistent Bryan Wolf. Ulrich Pollmann



Radialsystem, Fr 25.1., 18 Uhr: „Gesang der Jünglinge“ und „Mantra“, So 27.1., 12 Uhr: Ein Tag für Stockhausen, Konzerte 13/8 €, Filme/Vorträge frei

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