Kultur : Um die Ecke gebaut

Zum Tod des Maler-Bildhauers Richard Artschwager.

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Gerade erst war die Ausstellung im New Yorker Whitney Museum zu Ende gegangen, die Würdigung seines Lebenswerks. Die erste Station seiner Retrospektive vor dem Münchner Haus der Kunst hatte Richard Artschwager noch miterlebt, am Samstag starb der amerikanische Maler und Bildhauer im Alter von 89 Jahren im US-Bundesstaat New York.

Mit Artschwager verliert die amerikanische Kunstwelt einen ihrer bedeutendsten Minimalisten, dessen Werk sich durch eine ungeheure Vielseitigkeit und vor allem Humor auszeichnet. Der Künstler baute Skulpturen, die wie Bilder aussehen, und malte Bilder, die eher wie Skulpturen wirken. Seine hybriden Werke passten in den Achtzigern perfekt zum Geist der Postmoderne, nachdem er zuvor noch als kritischer Vertreter der Pop-art galt. Der Sohn eines deutschen Vaters und einer russischen Mutter ließ sich nicht wirklich einordnen. Schubladen waren dem gelernten Möbeltischler, der in Paris im Studio bei Amédée Ozenfant Malerei studiert hatte, zuwider. Er ging seinen eigenen Weg.

Artschwagers liebstes Material waren Dekorlaminat und Holzfaserdämmplatten. Als Schreiner war er der edlen Hölzer überdrüssig geworden. Die Ränder übermalte er mit der Darstellung von Holzmaserung, um dem Betrachter die Ambivalenz des Sichtbaren vorzuführen. In den Neunzigern hängte er seinen „Splatter pieces“, zu platten Klecksen zerschmetterte Möbel, in die Winkel eines Raums. Ob Skulptur oder Malerei, mit seinen Arbeiten dachte Artschwager stets um die Ecke. NK

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