Kultur : Um die Wette dudeln

NORBERT TEFELSKI

Das Trio "Bo Doerek" im Berliner TränenpalastVON NORBERT TEFELSKIOrt der Handlung: Eine Nervenheilanstalt für karrieregeknickte Schlagersänger, das "Siegels Inn".In weitschweifigen Dialogen phantasieren Roger & Renate vorgebliche Erfolge von einst herbei.Mit dem Humorgehalt drittklassiger Comedyserien lästern sie über Zellennachbarn wie Vicky Leandros, Bernhard Brink oder die Kessler-Zwillinge.Die bemühte Witzigkeit geleitet von Hit zu Hit, mit starrem Blick auf den alljährlichen Schlager-Grand-Prix.Dabei lassen Alexandra Doerk und Hubertus Borck - gemeinsam mit Pianist Jakob Vinje das Trio "Bo Doerek" - hören, was sie können.Mit musicalgeschulten Stimmen schmettern sie Siegertitel aus 40 Jahren Eurovisions-Gedudel - was ja nicht erst seit Guildo Horns Piep-Piep-Piep-Hype mit dem inflationären Begriff "kultig" belegt wird.In der Darreichungsform der Hamburger Schmidt-Theater-Protegés wechseln schrille Parodie in Trainingsanzug oder Glitzerfummel mit nur leis ironisierter, (allzu) perfekter Imitation.Seit über einem Jahr tingelt Bo Doerek mit "Germany, 12 points" durch die Lande, und wieviel Milch die Kuh noch gibt, belegt die bemerkenswerte Medienpräsenz bei der Berlinpremiere.Die als "böse" und "schrill" avisierte Show schwimmt in Wahrheit mit dem populistisch flachen Lach-Mainstream, der auch wahren Schlagerfans behagt - außer vielleicht Ralph Siegel. Tränenpalast, bis 19.4., Mi-So 20 Uhr.

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