Kultur : Um die Wurst

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Jörg Plath über Umzugspläne

der Frankfurter Buchmesse

Frankfurt ist eine schöne Stadt. München ist ebenfalls schön. Oder Hamburg und Köln. Alles schöne Städte. Von Berlin ganz zu schweigen. Die deutschen Lande haben einiges zu bieten, und wenn es darauf ankommt, machen sich die Städte fein und trippeln vor den Interessenten einladend auf und ab. Gerade kommt es mal wieder darauf an. Es läuft nämlich ein gut erhaltener Freier umher, der sich gar lustig auf den prall gefüllten Beutel haut. „Wenn Ihr mir nicht etwas entgegenkommt, holdes Frankfurt“, ruft er zu der Dame hinüber, mit der er seit 54 Jahren verbandelt ist, „wenn Ihr mir den Most nicht nur in Sachsenhausen schon wieder höher hängt, dann nehme ich die schöne Nachbarin an Eurer Stell, München geheißen!“ Blässe haben die Worte zur Folge bei der schönen Frankfurterin, erfreutes Erröten bei der Isardame. Denn der da droht, ist nicht irgendwer, sondern Volker Neumann, früher Marketingchef der Verlagsgruppe Bertelsmann/Random House und seit September Direktor der größten Buchmesse der Welt. Als solcher kann Neumann mit internationaler Aufmerksamkeit und einer Milliarde Euro Umsatz locken. Schon in seinem ersten Interview erwähnte er die hohen Hotelkosten in Frankfurt und versprach den klagenden Verlagen Besserung.

Jüngst hat Neumann ausführlich München besichtigt, hat das Messegelände der drittgrößten Verlagsstadt der Welt sehr modern gefunden und sich von Hoteliers gute Preise zusichern lassen. Im Jahr 2004 könne man sich doch an der Isar treffen, schlug er auf einer Sitzung den deutschen Publikumsverlagen vor, zumal in Frankfurt Unbill durch Baumaßnahmen ab 2005 drohe. Niemand protestierte, vielmehr gab es Szenenapplaus – eine kleine Sensation in der traditionsbewussten Branche, auch wenn die meisten Verleger aus München stammen. In der Krise ist ihnen jede finanzielle Entlastung willkommen. Inzwischen ist der Vertrag mit der Frankfurter Messegesellschaft gekündigt. Neumann lässt die Muskeln spielen.

Das schöne Frankfurt aber dreht und windet sich. Gespräche kündigt Oberbürgermeisterin Petra Roth an, derweil der hessische Ministerpräsident Roland Koch scherzt: „Die Buchmesse gehört in die Stadt der Weisheit und nicht in die Stadt der Weißwurst.“ Das ist der Weisheit letzter Stuss. „Nur der verdient sich Freiheit wie das Leben, der täglich sie erobern muss“, hätte ein bekannter Frankfurter seiner Heimatstadt geraten.

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