Umstrittene Kunst : Konzeptkünstler Haacke verklagt München

Drei seit 1991 spurlos verschwundene Fahnen von Hans Haacke mit Kritik an Geschäften deutscher Unternehmen im Irak beschäftigen jetzt die Justiz. An diesem Freitag verhandelt das Landgericht München über eine Klage gegen die Stadt München.

Dorothea Hülsmeier[dpa]
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Die Fahnen von Haacke sind eine Kritik gegen deutsche Unternehmen zu Zeiten des Golfkriegs. -Foto: dpa

MünchenSeine Installation "Die Fahne hoch!" war zur Zeit des Golfkrieges an den Propyläen auf dem Münchner Königsplatz im Zuge der Gruppenausstellung "ArgusAuge" des Städtischen Lenbachhauses und des Münchner Kulturdezernats aufgehängt worden. Dann verlor sich ihre Spur. Haacke klagt auf die Erstattung der Kosten für die Neuherstellung der Fahnen in Höhe von 13.500 Euro.

Einen Tag vor Ende der Ausstellung im Oktober 1991 seien die Fahnen von der Stadt München entfernt worden, nachdem die damalige Ruhrgas AG eine einstweilige Verfügung erwirkt hatte, sagte Haackes Rechtsanwalt Rainer Jacobs der dpa. Er gehe davon aus, dass das Lenbachhaus die Fahnen an sich genommen habe, weil Haacke in New York war, sagte Jacobs. Einen Verwahrungsvertrag habe es nicht gegeben.

Haacke: Marktwert der Fahnen liegt bei 135.000 Euro

Als Haacke 2006 das Lenbachhaus bat, die Fahnen für seine Retrospektive zum 70. Geburtstag in den Deichtorhallen nach Hamburg zu schicken, waren sie spurlos verschwunden. "Es stellte sich sehr bald heraus, dass sie unauffindbar waren", sagte Haacke der dpa. Den gegenwärtigen Marktwert der Fahnen schätzte er auf umgerechnet mehr als 135.000 Euro. Das Lenbachhaus wollte sich mit Verweis auf das schwebende Verfahren nicht zu dem Rechtsstreit äußern.

Seine Bitte um Kostenerstattung für die Neuherstellung sei mit dem Argument abgewiesen worden, dass die Stadt München als Ausstellungsveranstalter die Produktion der originalen Fahnen finanziert habe und sie daher ihr Eigentum seien, sagte Haacke. Nach Ansicht der Stadt stehe ihm keine Entschädigung zu.

Haacke: Es geht um das Prinzip

Es gehe zwar nur um einen vergleichsweise kleinen Betrag, sagte Haacke. Ihm gehe es in dem Rechtsstreit aber um etwas Grundsätzliches. Künstler hätten bislang nie die Eigentumsrechte an ihren Arbeiten verloren, wenn ein Ausstellungsveranstalter deren Herstellung finanziell unterstützt habe. "Wäre es anders, ließe sich mit wenig Geld eine formidable Sammlung aufbauen, ohne dass die Künstler davon auch nur einen sprichwörtlichen Pfennig zu sehen bekommen", sagte Haacke.

Die mittlere Fahne der Installation trägt auf schwarzem Grund die Aufschrift "Zum Appell" und den Untertitel "Deutsche Industrie im Irak". Dazwischen prangt ein Totenkopf. Auf die seitlichen Fahnen sind die Namen von mehr als 20 deutschen Unternehmen geschrieben, darunter Ruhrgas. Für die Retrospektive in Hamburg Ende 2006 hatte Haacke die Fahnen nach Originalvorlage wieder hergestellt - auch mit dem Namen von Ruhrgas.

Der gebürtige Kölner Haacke hat mit seinen politisch provokativen Kunstwerken immer wieder heftige Kontroversen ausgelöst, so im Jahr 2000 mit dem Erd-Kunstwerk "Der Bevölkerung" im Innenhof des Berliner Reichstags. Mit dem mit Erde aus den Wahlkreisen der Bundestagsabgeordneten gefüllten Beet hatte er einen umstrittenen Kontrapunkt zur Giebelinschrift "Dem Deutschen Volke" gesetzt. (nal/dpa)

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