Unbekannte zerstören Documenta-Kunstwerk : Zerstörungswut mit Akribie

Unbekannte haben in Kassel im Rahmen der Documenta 13 gepflanzten Korbinians-Apfelbaum gefällt. Das Kunstwerk stand in enger Verbindung mit der Erinnerung an das Konzentrationslager Dachau.

Der Korbinians-Apfelbaum in Kassel.
Am Ende war nur noch Kleinholz übrig: Der Korbinians-Apfelbaum wurde von Unbekannten zerstört.Foto: imago/epd

Böse Überraschung kurz vor den Feiern zum 60-jährigen Bestehen der Kunstausstellung Documenta in Kassel: Im Staatspark Karlsaue ist eines der dauerhaften Außenkunstwerke zerstört worden - der Korbinians-Apfelbaum, den Künstler Jimmie Durham 2011 mit Documenta-Leiterin Carolyn Christov-Bakargiev gepflanzt hatte. Der knapp drei Meter hohe Baum fiel vermutlich Vandalen zum Opfer. Die Täter seien mit umfassender Zerstörungswut vorgegangen, hieß es auf Anfrage bei der Museumslandschaft Hessen Kassel (MHK), deren Gärtner den Schaden kürzlich entdeckten. Das Gehölz sei komplett aus dem Boden gerissen, sämtliche Äste seien abgebrochen worden.
Ob sich die Täter mit der Baum-Attacke ausdrücklich gegen die Kasseler Weltkunstschau richten wollten, bleibe Spekulation, sagte Documenta-Sprecherin Henriette Gallus. Die Akribie, mit der das Bäumchen zu Kleinholz gemacht wurde, sei zumindest ein Indiz dafür.

Durhams Beitrag zur Documenta 13 hat einen bedrückenden Hintergrund: Die seltene Sorte Korbiniansapfel wurde von einem Häftling im Konzentrationslager Dachau gezüchtet - als Saat des Lebens, die den Naziterror schließlich überstand. Laut MHK wird auch in Kassel die Natur am Ende die Oberhand behalten: Im Herbst werde ein gleich altes Bäumchen dieser Sorte nachgepflanzt. In weiser Voraussicht hatten die Macher der Documenta 13 gleich ein Ersatzgehölz angeschafft. (dpa)

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