Kultur : Und es bewegt sich doch

Bernhard Schulz über die Visionen für ein zweites Bode-Museum



Die Rednerliste war vom Feinsten: Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, Generaldirektor der Staatlichen Museen, Direktor der Gemäldegalerie, Direktor der Skulpturengalerie. Letzterer, Hausherr im Bode-Museum, brachte es auf den Punkt. „Um die Alten Meister auf der Museumsinsel ihrer hohen Bedeutung entsprechend präsentieren zu können“, fasste Julien Chapuis den Tenor aller Redner zusammen, „ist ein Erweiterungsbau für das Bode-Museum unabdingbar“.

Noch ist ein solcher Erweiterungsbau auf dem gegenüberliegenden Ufer zwischen Bahntrasse und ehemaligen Kasernenbauten – wichtiger Bestandteil der von Ex-„General“ Peter-Klaus Schuster skizzierten „Masterpläne“ – nicht in Sicht. In Ansicht allerdings schon: Der Berliner Architekt Klaus Theo Brenner hat seine Potsdamer Studenten einen Erweiterungsbau entwerfen lassen. Die Ausstellung (Bode- Museum, bis 16.5., tägl. 10 -18 Uhr, Do bis 22 Uhr) von acht Entwürfen war letzte Woche Anlass zum Aufmarsch der Museumschefs. Sie ist auch eine Bekräftigung des Erweiterungswunsches, von dem in Preußen-Stiftung zuletzt nicht mehr die Rede war. Inzwischen hat sich aber auch Generaldirektor Michael Eissenhauer, der bislang als bedächtiger Bremser aller hochfliegenden Pläne gelten musste, in sein Amt eingearbeitet und ist offenbar willens, in Schusters Fußstapfen zu treten.

Gemälde und Skulpturen vereint, das war jahrzehntelang ein Tabu. Kategorisch wurde an der Trennung festgehalten, zuletzt von Schusters Amtsvorgänger Wolf-Dieter Dube, der in den 90er Jahren gegen jeglichen Widerspruch seitens der Museumskuratoren auf der Fertigstellung der Gemäldegalerie am Kulturforum beharrte. Dabei ist offenkundig, dass die Bestände der benachbarten Neuen Nationalgalerie dringend ein Erweiterungsquartier benötigen, zumal bedeutende Privatsammler auf der Suche nach einer Heimat für ihre Schätze sind. Und was läge näher, als die akademische, der tatsächlichen Kunstgeschichte zuwiderlaufende Trennung von Malerei und Bildhauerei – und auch dem Kunsthandwerk – aufzuheben in einem (Doppel-)Haus, das die enge Verzahnung der abendländischen Kunst zeigen könnte?

Die Studentenentwürfe, auf präzisen Vorgaben Brenners basierend, sind Denkanstöße. Doch sie weisen in eine Richtung, die eingehalten werden sollte: Der Maßstab der Museumsinselbebauung, ihre Vorbildlichkeit sollte respektiert werden. Das war hinsichtlich des Bode-Museums lange Zeit nicht der Fall, galt der Bau von 1904 doch stets als trocken und steif. Erst mit der Neueinrichtung vor wenigen Jahren sind seine Qualitäten in Grundriss und Raumdisposition deutlich hervorgetreten. So sehr er sich an die Konzeption halten sollte, so anders darf ein Neubau in seiner Formensprache doch sein. Eine unabänderliche Vorgabe bestimmt ohnehin jedweden Neubau: das dreieckige Grundstück auf dem Kasernengelände, dessen Ähnlichkeit zum Baugrund des Bode-Museums frappiert. Auf zu „Bode 2“!

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