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Wenn Dänen zu sehr gospeln: Hella Joofs Weihnachtsfilm „Oh, Happy Day“

Uta-Maria Heim

Dänen sind lustig. In Dänemark bügeln die Männer ihre Hemden selbst, die Frauen tragen zur Empfängnisverhütung Pessare, und in verödeten Kirchen singen die Ureinwohner Gospelsongs.

Andererseits: Hella Joof, Regisseurin von „Oh, Happy Day“, ist eine ernsthafte Frau. In ihrer sanften Komödie, in der es um die Verwandlung der gehemmten Hausfrau Hannah in eine spirituell entzündete Gospelsängerin geht, macht sie sich keineswegs lustig über das, was wir als komisch empfinden mögen – die äußerst rustikal dänischen Wohnverhältnisse, das eifrige Fahrradgestrampel und das verbreitete Unvermögen, sich dem schlechten Wetter entsprechend warm anzuziehen. Schließlich soll „Oh, Happy Day“ erstmal die Dänen begeistern, auch die auf dem Lande. Und dort beschränkt sich das Freizeitangebot auf drei Highlights: Essen, Fernsehen, Schlafen.

In dieser Welt strandet eines Tages der charismatische New Yorker Prediger Moses Jackson (Malik Yoba) nach einer Aufführung seines schwarzen Gospelchors. Und verzaubert gleich einen ganzen zerstrittenen Kirchenchor: Nicht nur die einigermaßen manische Grethe (Ditte Grabol) verliebt sich in ihn, sondern auch die verklemmte Hannah (Lotte Andersen, nebenbei Mitautorin des Drehbuchs). Und letztere – beinahe überirdische – Liebe führt dazu, dass sowohl Jackson als auch Hannah zurück zu ihrer wahren Bestimmung finden.

Malik Yoba, bekannt durch Paul Austers „Smoke“, verschmilzt geradezu mit seiner Rolle als Jackson. Und setzt einer mitunter etwas linolschnittartigen Handlung funkelnde Glanzlichter auf: Er schillert, er buhlt, er wärmt, er wagt etwas, er überzeugt. Mit seinem umwerfenden Sex-Appeal gelingt es Jackson, auch der Botschaft von Jesus Christus neue Kraft zu geben: „Verlasse nicht die, die du liebst, für die Liebe.“

Schade nur: Die körperliche Annäherung zwischen der prüden Hannah und dem geschmeidigen schwarzen Prediger geht zumindest cineastisch schief. Erst wird sie durch nicht nachvollziehbare Schnitte verhunzt, dann entschärft, schließlich verklärt und in ein vorbewusstes Zwischenreich verbannt. Schade auch, dass Lotte Andersen als Hannah ihr mimisches Können bis kurz vor Schluss unterdrücken muss. So fehlt Jacksons nur halbsakraler Großgefühlswelt das kommunikative Spannungsfeld.

Hella Joof will mit dieser im Kern zutiefst unkomischen, aber überaus gutmenschlichen Komödie etwas für den christlichen Glauben tun. Darüber hinaus vermittelt sich die Weihnachtsbotschaft durch einen leidenschaftlichen Gospel-Sound – allerdings klebt der manchmal so auf der Filmrolle wie Zuckerguss auf einem Pfefferkuchenhaus. Irgendwann sehnt man sich nach dem Prinzip des Dogma-Films: Musik nur da, wo tatsächlich musiziert wird. Das gäbe eine segensreiche Polarität zwischen Klang und Stille. Doch hier versetzt ein anschwellender Summton sogar das platte, grüne Land in Verzückung.

Halleluja! Macht nichts, ist sowieso Weihnachten: Da kriegt man ordentlich was auf die Ohren.

In Berlin im Cinemaxx Potsdamer Platz und Cinestar Hellersdorf

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