Kultur : Und jetzt alle!

Der schwedische Erfolgsfilm „Wie im Himmel“

Silvia Hallensleben

Eigentlich wollte sich der gefeierte Dirigent Daniel Dareus nach einem Herzanfall ja zum Vorruhestand in sein Heimatdorf zurückziehen. Keine Verbeugungen vor dem Publikum mehr! Keine hohlen Starallüren! Nur noch ganz bei sich selbst will er sein. Zuhören! Lauschen! Die nordschwedischen Wälder säuseln im Schnee so friedlich und still. Nur die Dörfler zicken herum: Erst knallt der böse Wilderer Conny ein armes Kaninchen ab. Dann bräuchten die Guten im Dorfe dringend einen Leiter für den Gemeindechor. Besonders die Damen vertreten ihr Anliegen mit gewinnendem Charme. So steigen in der Dorfkirche bald Sangesproben, deren ausufernder Enthusiasmus von den puritanischen Teilen der Gemeinde mit wachsendem Argwohn gesehen wird, weil der neue Kantor auch gruppentherapeutischen Ringelpietz-mit-Anfassen in sein Chorbildungsprogamm aufgenommen hat. Arme Schweden! Doch am Ende, darf man sagen, siegen in diesem kleinen Teil der Welt Sangeslust und Lebensfreude – man stellt sich sogar der globalen Konkurrenz.

Auch der Filmemacher Kay Pollak hatte sich für lange Jahre aus seinem Beruf zurückgezogen, nachdem 1986 Premier Olof Palme ausgerechnet auf dem Heimweg von einem Film des Regisseurs erschossen wurde. Wahrscheinlich muss er immer noch seine Schuldgefühle kompensieren. Das könnte jedenfalls erklären, warum uns „Wie im Himmel“ mit ängstlicher Anpassungsbereitschaft auch die kleinste Überraschung erspart und seine schlichten Wahrheiten von der heilenden Kraft der Musik und dem Mut zum eigenen Leben in soviel Watte verpackt, dass es garantiert niemandem mehr weh tut außer den grässlichen Bösewichtern selbst. Doch die – Kaninchenschlächter, Biersäufer, Frauenschläger und verheuchelten Pornowichser – gehen bestimmt nicht in solch einen anständigen Film. In Schweden scheint es nicht viele von diesen Gestalten zu geben, denn dort ist Pollaks Film einer der größten Erfolge der Kinogeschichte geworden. Jetzt wurde „Wie im Himmel“ sogar für den Auslands-Oscar nominiert. Wahrscheinlich hat er gute Chancen.

In Berlin in den Kinos Babylon Mitte, Cinemaxx Potsdamer Platz, Delphi, Filmtheater am Friedrichshain, Kino in der Kulturbrauerei, Passage

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