Kultur : Und Moses tanzt

Das Arab Youth Orchestra bei Young Euro Classic.

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Musizieren ist ein Prozess großer und kleiner Entscheidungen. Eindeutig die wichtigste und mutigste Entscheidung des Arab Youth Philharmonic Orchestra ist es, sich ganz dem Geist eines Werks zu verschreiben. In Dvoraks achter Symphonie macht sie sich bezahlt. Das „Allegro con brio“ nimmt der Dirigent Heiner Buhlmann beim Wort: Feuriges, vorwärts drängendes Tempo, Hochspannung und ein brillanter Streicherklang verleihen der Interpretation ihr überzeugendes Profil. Dass dabei hie und da eine heikle Ensemblestelle der Bläser ins Wasser fällt, lässt man gern gewähren. Buhlmann hält das Ruder fest in der Hand: Jede sich einschleichende Lethargie fängt er, tief nach vorne gebeugt, mit fixierendem Augenkontakt auf.

Das Ziel des panarabischen Orchesters, neben der Förderung technischer und künstlerischer Fähigkeiten auch Grenzen zu überwinden, könnte sich im dezidiert undogmatischen Programm, das mit einem eindringlichen „Da nobis pacem“ von Felix Mendelssohn Bartholdy beginnt, nicht deutlicher spiegeln. Wunderbar geheimnisvoll und frei von Schwelgerei lässt Toaa Salah El-Deen die Tänze für Harfe von Claude Debussy erklingen. Und auch der Marimbaphon-Solistin Nesma Abdel Aziz gilt Bewunderung für die leichtfüßig-vergnügte Virtuosität, die sie in Pablo de Sarasates Introduktion und Tarantella an den Tag legt.

Dahingestellt sei indes die Frage, ob man dieses violinistische Bravourstück überhaupt auf dem Marimbaphon hören möchte, zumal vor allem der lyrische Bogen der Introduktion vom charakteristischen Dauertremolieren wenig profitiert. Wenn aber in den für Marimbaphon bearbeiteten Moses-Variationen von Niccolo Paganini der alttestamentarische Urvater nach dem gravitätischen Rossini-Thema plötzlich kapriziös über die Holztasten springt, lernt man plötzlich, in Bearbeitungen wie dieser auch ein erfrischend humoristisches Potenzial zu entdecken. Barbara Eckle

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