Kultur : Und Naumann weiß endlich, wer seine 100 Berlin-Millionen bekommt

Frederik Hanssen

Ob das mit den Betroffenen abgesprochen war? Nachdem Kulturstaatsminister Michael Naumann mit scharfen Worten die Liste der Berliner Kulturverwaltung über die Verwendung der 100 Millionen Mark Hauptstadtkulturförderung kritisiert hatte - weil darin nur 81 Millionen auftauchten - legte Staatssekretär Alard von Rohr am Mittwoch Abend im Hauptausschuss des Abgeordnetenhauses eine neue Liste vor: Die entspricht zahlenmäßig genau der alten, nur der Ansatz für die Staatsoper wurde von 20 auf 39 Millionen Mark angehoben. Da der Gesamtetat des Hauses bei 84,2 Millionen Mark liegt, ist damit beinahe der erste Präzedenzfall für die 50-Prozent-Finanzierung einer Berliner Kulturinstitution durch das Naumann-Ministerium geschaffen. Unstrittig sind mit einer Ausnahme die übrigen Summen: Die Deutsche Oper erhält 18 Millionen Mark aus Bundesmitteln, das Deutsche Theater 11,5 Millionen, Konzerthaus und Berliner Philharmonisches Orchester je 8,5 Millionen, das Haus der Kulturen der Welt 1,5 Millionen und das Jüdische Museum 6 Millionen. Für den von Dieter Sauberzweig verwalteten Fonds für besonders spannende Einzelprojekte sind statt 20 Millionen nur noch sieben Millionen Mark eingeplant.

Stirnrunzeln bei allen Fraktionen löste auch das Positionspapier zum Stand der Baumaßnahmen für die "Topographie des Terrors" aus, das Peter Strieders Bauverwaltung geliefert hatte. Ohne konkrete Zahlen über die Höhe der Zusatzkosten für das Dokumentationszentrum wollte die große Koalition den Acht-Millionen-Ansatz für 2000 nicht absegnen. Der Warnung von Baustaatssekretär Bielka zum Trotz wurde der Etattitel mit einer Haushaltssperre belegt - so lange, bis Strieder nachvollziehbare Kalkulationen vorlegen kann.

Allen anderen strittigen Punkte im Kulturbereich wurden auf die letzte Hauptausschuss-Sitzung von der zweiten Lesung des 2000er Etats am heutigen Freitag vertagt. Es dürfte eine Marathon-Sitzung werden. Mit 350 000 Mark wollen die Abgeordneten das Jazz-Fest vor dem drohenden Aus retten, die SPD wünscht sich eine Million Mark zusätzlich für die bezirkliche Kulturarbeit. Für die dringend notwendigen Renovierungsmaßnahmen der Volksbühne sollen nun doch 8,5 Millionen zur Verfügung stehen, und die bereits begonnen Arbeiten am Maxim Gorki Theater sollen mit 500 000 Mark gesichert werden.Die Schaubühne hingegen steht endgültig von dem Gau: Ein weiterer Antrag der Grünen, dem Theater die von Ex-Senator Radunski versprochenen 2,8 Millionen Mark für 2000 zuzugestehen, wurde am Donnerstag Abend von der Koalition abgeschmettert.

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