Kultur : Und tschüss!

Verlässt Stefan Rosinski die Opernstiftung ganz?

Christine Lemke-Matwey

Stefan Rosinski, noch amtierender Generaldirektor der Berliner Opernstiftung und designierter Chefdramaturg der Volksbühne, soll die Opernstiftung zum Ende der Spielzeit offenbar vollständig verlassen. Demnach würde er nicht, wie beabsichtigt, die Abteilung Bühnenservice weiter leiten und die Umstrukturierung und den Neubau der vereinigten Werkstätten bis zu deren Inbetriebnahme im Sommer 2010 betreuen. Das 25 Millionen teure Werkstättenprojekt gilt als Rosinskis Baby. Wenn er es nun tatsächlich im Stich lässt, wirft das Fragen auf.

Geht Rosinski freiwillig, weil sich sein neuer Job an der Volksbühne doch nicht so gut mit dem alten Job vertragen würde? Oder waren der Regierende Kultursenator Klaus Wowereit und sein Staatssekretär André Schmitz über Rosinskis eigenmächtige Volksbühnen-Bewerbung mehr als nur „überrascht“, nämlich verärgert – und zahlen es dem studierten Diplom-Regisseur und Betriebswirt auf ihre Weise heim? Gärt es also wieder einmal in der Opernstiftung? Darüber gehen die Meinungen auseinander.

Während Torsten Wöhlert, der Sprecher der Senatskulturverwaltung, von einer „einvernehmlichen Lösung“ spricht, will Rosinskis Referent Michael Mund weder den freiwilligen Abgang noch einen potenziellen Rauswurf kommentieren. Man habe keine Zeit gehabt, sich darüber abzustimmen und halte sich ansonsten an die Spielregeln: Am Freitag sei Stiftungsratssitzung, „da wird entschieden, was zu entscheiden ist“. Nach großem Einvernehmen klingt das nicht.

Offenbar wurde darüber nachgedacht, Rosinski als Leiter der Bühnenservice GmbH kommissarisch weiterzubeschäftigen, schon aus Gründen der Kontinuität. Am Ende aber ging es Wowereit wohl um einen sauberen „doppelten Schnitt“. Ab Herbst soll Rosinskis Nachfolger Peter F. Raddatz zunächst beide Funktionen übernehmen: die Generaldirektion und den Vorsitz beim Bühnenservice. Dass das zu schaffen ist, hat Rosinski selbst unter Beweis gestellt. Auch dass die Werkstätten ein prognostiziertes Überkapazitätenproblem hätten, bestreitet Wöhlert. Selbst wenn die Staatsoper ab 2010 im Schillertheater nur eingeschränkt agieren kann und die Deutsche Oper schon in der nächsten Spielzeit nur vier szenische Premieren anbietet – „aus dem Bühnenservice landet kein Mitarbeiter auf der Straße“. Die 1,5 Millionen Euro Defizit aus dem verringerten Auftragsvolumen jedenfalls seien vom Tisch. Und mehr dann am Freitag. Christine Lemke-Matwey

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