Kultur : Unerschöpflich

Dem Kunsthistoriker Werner Hofmann zum 80.

Bernhard Schulz

Zum 60. Geburtstag wurde ihm eine Festschrift zugeeignet, deren 41 Beiträge die Fülle kunsthistorischer Gelehrsamkeit ausbreiteten. Werner Hofmann muss diesen Band als Ansporn verstanden haben, weiter und weiter zu forschen und zu publizieren. In staunenswerter Regelmäßigkeit hat der Wiener mit dem schönen Geburtstdatum des 8. 8. 1928 seither Bücher veröffentlicht. Jedes von ihnen hätte weniger umfassenden Geistern als Lebensleistung genügt.

Hofmanns Terrain ist unerschöpflich, untersucht er doch die Brüche, die sich im Prozess der Herausbildung der Moderne auftun. Das war bereits der Antrieb zur Ausstellungsserie „Kunst um 1800“, die den damaligen Direktor der Hamburger Kunsthalle berühmt machte – und zugleich der vorgestellten Kunst eine ungeahnte, bis heute ungebrochene Popularität bescherte. Von 1969 bis 1990 stand er dem Hamburger Haus vor, nachdem er zuvor in seiner Heimatstadt das Museum des 20. Jahrhunderts aufgebaut hatte.

Schon in den letzten Hamburger Jahren hatte sich Hofmann nahezu ganz der Forschung zugewandt. Ein magistrales Werk über die Kunst zwischen 1750 und 1830 erschien 1996, mit dem bezeichnenden Titel „Das entzweite Jahrhundert“; umfassende Studien zu Caspar David Friedrich und Goya folgten, im vergangenen Jahr als bislang jüngstes Werk dann eine Arbeit über „Edgar Degas und sein Jahrhundert“ (Verlag C.H. Beck, München 2007, 320 S., Großformat, 86 €). Natürlich suchte sich Hofmann denjenigen unter den ersten Impressionisten, der „kein Impressionist war“, wie Hofmann gleich im ersten Satz feststellt. Das Anderssein hat ihn stets interessiert, das Moderne im Traditionellen wie auch das Anti-Moderne, zutiefst Skeptische , etwa beim durchgängig als „Wegbereiter des Fortschritts“ vereinnahmten Goya.

Mit seinem Erstling machte Hofmann bereits 1960 Furore, über „Motive und Ideen des 19. Jahrhunderts“, dessen Haupttitel „Das irdische Paradies“ zum geflügelten Wort geworden ist. So sehr Hofmann vom jeweiligen Heute aus schaut, ist er doch der Bannerträger einer beinahe schon verjährten Auffassung, der das Kunstwerk als Träger von Bedeutung gilt, Medium einer Verständigung, die auf beiden Seiten, der des Künstlers wie der des Betrachters, Geist und Gedanken verlangt. Insofern ist Hofmann stets ein Verfechter der Ideengeschichte gewesen, der Kunde von Themen und gedanklichen Motiven, die sich durch die Kunst hindurchziehen und die er zu entschlüsseln sucht.

Mit Degas ist er wieder zu seinen Anfängen zurückgekehrt, frisch und überraschend. Heute feiert Werner Hofmann seinen 80. Geburtstag. Die Festschriften, die er sich selbst geschrieben hat, füllen ein ganzes Regal. Bernhard Schulz

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