Unesco : Brückenbau bedeutet sofortige Status-Aberkennung

Der stellvertretende Generalsekretär der deutschen Unesco-Kommission, Dietrich Offenhäußer, warnt vor einem Baubeginn der geplanten Waldschlößchenbrücke. Und verweist auf Alternativen.

Dresden/Bonn - "Das schlimmste, was jetzt passieren könnte, wäre ein Baubeginn der Brücke", sagte Offenhäußer am Mittwoch in Bonn. Ein Baubeginn hätte die sofortige Aberkennung des Status als Weltkulturerbe zur Folge.

Es gebe aber Alternativen zur gegenwärtigen Situation, sagte Offenhäußer. Die Unesco habe sich nur gegen die jetzige geplante Variante der Brücke ausgesprochen, nicht generell gegen eine neue Elbquerung. Es sei jetzt Aufgabe aller Beteiligten, auch der Welterbe-Kommission der Unesco, eine neue Lösung zu finden. "Wir sind uns der Probleme dieser Situation sehr bewusst", unterstrich Offenhäußer.

Die Welterbe-Kommission hatte das Dresdner Elbtal am Dienstag wegen des geplanten Brückenbaus auf die Rote Liste der bedrohten gefährdeten Weltkulturgüter gesetzt.

Unesco-Entscheidung ist nicht nachvollziehbar

Sachsens Innenminister Albrecht Buttolo (CDU) kann die Entscheidung der Unesco zur Waldschlößchenbrücke und dem Dresdner Elbtal nicht nachvollziehen. Die Unesco habe von Beginn an von Dresdner Plänen gewusst, eine Brücke über die Elbe zu bauen, sagte der Minister am Mittwoch in Dresden. Verfahrensfehler habe die Stadt aus seiner Sicht nicht gemacht. Auch die Staatsregierung habe gegenüber der Unesco mehrfach deutlich gemacht, dass das Obere Elbtal sich in der Entwicklung befinde und daher städtebauliche Veränderungen möglich sein müssten.

Der Vize-Sekretär der "Klasse Baukunst" der Sächsischen Akademie der Künste, Jürgen Paul, erklärte hingegen, die Stadt habe die Baupläne für die Brücke bei der Bewerbung um den Welterbe-Status unter den Tisch gekehrt. Der Brückenbau sei lediglich in Nebensätzen erwähnt worden. "Die Brücke wurde weggeschwindelt", sagte Paul.

"Das Banalste, was es gibt" - Kunstakademie will keine Elbbrücke

Die Sächsische Akademie der Künste begrüßt die Entscheidung der Unesco zur Dresdner Waldschlößchenbrücke. Die bisher geplante Elbquerung durch das Elbtal sei "ästhetisch nicht akzeptabel", sagte der Vize-Sekretär der "Klasse Baukunst" der Akademie, Jürgen Paul, am Mittwoch in Dresden der Nachrichtenagentur ddp. Die Klasse sei nach wie vor für den Verzicht auf eine Brücke an dieser Stelle.

Die bisher vorgelegten Konzepte seien allesamt nicht durchdacht, sagte Paul. Zum einen habe man sich die breiteste Stelle der Elbe für die Brücke ausgesucht, zum anderen beruhe die ganze Planung auf falschen Verkehrsprognosen. Es sei überhaupt nicht klar, wohin der durch die Brücke von Norden angezogene Verkehr im Süden der Stadt dann gelenkt werden solle.

Sollte sich die Stadt dennoch für den Bau einer Brücke an dieser Stelle entscheiden, dann müsste ein völlig neuer, ästhetisch ansprechender Entwurf her, forderte Paul. Der jetzige Entwurf "ist das Banalste, was es gibt". Er machte sich dafür stark, in einem erneuten Wettbewerb die besten Brückenbauer der Welt einzuladen. Die geplante Elbquerung sei ästhetisch viel eleganter zu lösen.

Dresden fürchtet Imageschaden bei Verlust des Welterbetitels

Die Stadt Dresden fürchtet einen erheblichen Prestigeverlust im Falle der Aberkennung des Unesco-Welterbetitels. Der Verlust des Welterbestatus wäre ein Imageschaden, sagte der Erste Bürgermeister der Stadt, Lutz Vogel (parteilos), am Mittwoch in Dresden. Am Dienstag hatte das Welterbe-Komitee der Unesco in Vilnius entschieden, das Dresdner Elbtal auf die Rote Liste gefährdeter Kulturgüter zu setzen.

Vogel fügte hinzu, der Stadtrat werde auf seiner Sitzung am 20. Juli über das weitere Vorgehen beraten. Zur Diskussion stehe ein neuer Bürgerentscheid über die Elbquerung. Hierfür wäre eine Zwei-Drittel-Mehrheit des Stadtrates notwendig. Weitere Möglichkeiten seien eine Überarbeitung des Brückenentwurfes oder eine Entscheidung des Stadtparlaments, die Brücke in der derzeitigen Form zu bauen und auf den Welterbetitel zu verzichten. Vogel betonte, die Stadt nehme die Entscheidung der Unesco sehr ernst. Es handle sich dabei um ein "politisches Problem erster Ordnung".

Hintergrund der Entscheidung ist der geplante Bau der Waldschlößchenbrücke, der nach Ansicht der Unesco einen irreversiblen Schaden für das Tal bedeuten würde. Die Unesco hatte das Dresdner Elbtal im Juli 2004 in die Welterbeliste aufgenommen. (tso/ddp)

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