Unesco : Der gefährliche Kandidat

Faruk Hosni als Unesco-Chef? Der Streit um die Eignung des ägyptischen Kulturministers für den Posten des Unesco-Generaldirektors nimmt bizarre Formen an.

Andrea Nüsse
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Faruk Hosni

Bernard-Henri Lévy, Elie Wiesel und Claude Lanzmann hatten letzte Woche in einem Brandbrief in der französischen Zeitung „Le Monde“ vor Hosni gewarnt. Dann appellierte Charlotte Knobloch, Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland, an die westlichen Staaten, „alles zu unternehmen, diesen gefährlichen Kandidaten zu verhindern“. Durch seine „eindeutigen antisemitischen und antiisraelischen Äußerungen“ habe er sich für das Amt disqualifiziert. Während sich nun auch deutsche Politiker kritisch äußern, meldete die israelische Zeitung „Haaretz“, dass ausgerechnet Israel seinen Widerstand gegen Hosni aufgegeben habe. Dies soll Premier Benjamin Netanjahu dem ägyptischen Präsidenten Hosni Mubarak vor zwei Wochen zugesichert haben. Ob Ägypten als Vermittler im Nahostkonflikt im Gegenzug israelischen Positionen entgegenkommt, ist unbekannt.

Sollte es aber zutreffen, wäre die Besetzung des Chefpostens der wichtigsten Weltkulturorganisation das Ergebnis eines politischen Kuhhandels. Die Debatte um die Äußerungen Hosnis scheint da fast zweitrangig. Dabei stellen deutsche Menschenrechts- und Kulturpolitiker kurz vor dem Bewerbungsschluss am 31. Mai die Eignung Hosnis einhellig infrage. „Hanebüchen“ sei es, wenn jemand den Posten bekäme, der sich durch Äußerungen zur jüdischen Kultur so „disqualifiziert“ habe, meint Volker Beck, Sprecher für Menschenrechte der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen. Die SPD-Kulturpolitikerin Monika Griefahn findet es „sehr fraglich“, ob Hosni den „hohen Ansprüchen an das Amt gerecht werden kann“. Ihr CDU-Kollege Wolfgang Börnsen hält den Kandidaten für „nicht vertretbar mit der Würde des Amtes“.

Christoph Waitz, bei der FDP für Kultur zuständig, ist zurückhaltender: Er fürchtet, dass Angriffe auf den Ägypter einen Solidarisierungseffekt haben könnten. Vielmehr solle der Exekutivrat der Unesco, der im September formal einen Kandidaten vorschlägt (der dann im Oktober von der Generalversammlung in der Regel bestätigt wird), ohne viel Aufhebens einen Generalsekretär wählen, „der die eigenen Ziele wirklich repräsentiert“. Im Auswärtigen Amt, das die deutsche Vertretung bei der Unesco besetzt, will man den „Eingang der Bewerbungen bis Sonntag abwarten“ und dann die Bewerber „hinsichtlich ihrer Eignung sehr sorgfältig prüfen“. Dann könnte es allerdings zu spät sein, denn seit zwei Jahren wird eine Allianz zur Wahl Hosnis geschmiedet, um eine Kampfabstimmung zu verhindern. Die arabisch-muslimische Welt hat nach informellen Regeln diesmal das Recht, den Posten zu besetzen.

Die Grünen-Politikerin Uschi Eid verfolgt die Auseinandersetzung schon länger. Die Vorsitzende der deutsch-ägyptischen Parlamentariergruppe hatte den ägyptischen Botschafter in Berlin 2008 auf die Äußerung Hosnis angesprochen, er wolle israelische Bücher in der Bibliothek von Alexandria verbrennen, wenn er welche finde. Die Antwort war eine ins Englische übersetzte Mitteilung Hosnis mit der Erklärung, das Wort „brennen“ habe im Ägyptischen nicht die gleiche Konnotation wie im jüdischen Kontext. Eid will nun eine schriftliche Anfrage an die Bundesregierung stellen.

Womöglich beginnt die hiesige Debatte um Hosni also zu einer Zeit, in der andernorts längst die politischen Deals zu seinen Gunsten gemacht worden sind. So erfreulich es ist, dass die Besetzung der „wichtigsten Kulturposition im Weltmaßstab“ endlich einmal offen diskutiert wird, wie Olaf Zimmermann vom Deutschen Kulturrat meint, so dringlich scheint es, in den Protest gegen Hosni auch die Kritik am Geschacher um den Unesco-Chefposten einzubeziehen. Andrea Nüsse

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