Unesco : Faruk Hosni: Der Antisemit

Er würde israelische Bücher verbrennen: Wird Ägyptens umstrittener Kulturminister Faruk Hosni der nächste Unesco-Chef?

Philipp Lichterbeck

Die Unesco steht vor einer Zerreißprobe. Und einem Skandal. Ausgerechnet der UN-Organisation für Erziehung, Wissenschaft und Kultur könnte bald ein Antisemit und Israelhasser vorsitzen. Der ägyptische Kulturminister Faruk Hosni gilt als derzeit aussichtsreichster von vier Kandidaten für die Wahl zum Generaldirektor: Den ungeschriebenen Gesetzen der Organisation zufolge steht den arabischen Ländern turnusgemäß der Chefsessel zu.

Womöglich wäre die Kandidatur Hosnis weitgehend unbeachtet geblieben, wenn nicht drei französische Intellektuelle Alarm geschlagen hätten. Der Filmemacher Claude Lanzmann, der Philosoph Bernard-Henri Lévy und der Friedensnobelpreisträger Elie Wiesel veröffentlichten am 21. Mai in der Zeitung „Le Monde“ eine eindringlich-emotionale Warnung vor dem Ägypter. Die dort aufgeführten Zitate Hosnis sprechen für sich. 2001 erklärte der Minister, dass Israel „nie einen Beitrag zur Zivilisation geleistet“ und sich „immer nur die Güter anderer angeeignet“ habe. Wenige Monate später bezeichnete er die israelische Kultur als „unmenschlich, aggressiv, rassistisch und überheblich“. Sie stehle, was ihr nicht gehöre, „um es anschließend als das Eigene auszugeben“.

Wiederholt bediente Hosni den Topos der jüdischen Weltverschwörung, etwa als er behauptete, dass Israel von den internationalen Medien unterstützt werde, die „von Juden infiltriert“ seien, die „Lügen verbreiteten“. Seine absurden Ausfälle krönte Hosni 2008 mit einer Bemerkung im ägyptischen Parlament. Dort entgegnete er einem Abgeordneten, der befürchtete, es könnten auch israelische Bücher in die Bibliothek von Alexandria aufgenommen werden: „Bring mir diese Bücher, und wenn es sie gibt, werde ich sie vor deinen Augen verbrennen.“ Ein Mann, der Bücher verbrennen will, soll also eines der weltweit wichtigsten Kulturämter bekleiden?

Lanzmann, Lévy und Wiesel appellieren an die Unesco, den „bislang unaufhaltsamen Weg“ Hosnis zu stoppen: „Er ist ein gefährlicher Mann, ein Brandstifter der Herzen.“ Gleichzeitig warnen sie, dass nur noch sehr wenig Zeit bleibe, um die Kandidatur des Ägypters zu verhindern. Ein Unesco-Chef wird normalerweise vom 58-köpfigen Exekutivrat der Organisation vorgeschlagen. Bewerbungsschluss hierfür ist der 31. Mai (neben Hosni kandidieren eine Litauerin, eine Bulgarin und ein Kulturfunktionär aus Oman). Im Oktober stimmt dann die Unesco-Generalkonferenz in Paris, dem Sitz der Unesco, über den Vorschlag ab. 193 Staaten sind stimmberechtigt.

Hosni selbst befindet sich zurzeit auf Werbetour in eigener Sache. In Brasilien auf die Vorwürfe angesprochen, spielte der 70-Jährige seine Aussagen herunter – offenbar besorgt um den sicher geglaubten Posten. Das Zitat über die Bücherverbrennung etwa sei aus dem Kontext gerissen und nur metaphorisch gemeint; das Ganze sei ein Hinterhalt der Regierungen von Israel und Amerika.

Doch auch in seiner Heimat ist Hosni nicht unumstritten. Auf der Internetplattform Facebook haben ägyptische Künstler und Aktivisten eine Seite unter dem Titel „Ägypter gegen die Nominierung Faruk Hosnis“ eingerichtet. Dort heißt es: „Hosni ist der Mann, der die ägyptische Kultur seit 20 Jahren ruiniert.“ Philipp Lichterbeck

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