Kultur : Unesco: Herzerfüllt

Thomas Veser

Wenn die Unesco eine Stätte in ihre Welterbeliste aufnimmt, bekräftigt sie damit deren Wert für die Menschheit. Deutschland besitzt mittlerweile zwei Dutzend Einträge in dem internationalen Verzeichnis. Dass die Unterzeichner der Welterbekonvention von 1972 allerdings vertraglich festgelegte Verpflichtungen eingegangen sind, scheint hierzulande weitgehend unbekannt. Hat sich die Euphorie über die Ehrung erst einmal gelegt, kehren die Verantwortlichen rasch wieder zum "business as usual" zurück. Selten bemüht man sich darum, den Besuchern das zentrale Anliegen der Welterbekonvention - die Völkerverständigung - zu vermitteln.

Kooperationen zwischen thematisch verwandten Stätten gibt es wenige. Ein Beispiel ist das "Netzwerk der Städte des Weltkulturerbes" (OVPM), eine im kanadischen Québec beheimateten Organisation. Allerdings haben ihre Diskussionsrunden zur zentralen Frage, wie Einnahmen aus einem gelenkten Kulturtourismus zum Erhalt des Architekturerbes genützt werden können, bisher keine konkreten Ergebnisse gebracht. Denn viel lieber rühren die Veranwortlichen die Werbetrommel für die eigene Stätte und begreift sich nicht als Mitwirkende in einem globalen Programm, über das die Unesco ihre Ideale verbreiten möchte.

Diese Alleingänge will die Bonner Unesco-Kommission jetzt beenden. Und darum veranstaltet sie ab heute in Weimar erstmals eine Konferenz der deutschen Welterbestätten. 200 Vertreter aus den Bereichen Denkmalpflege, Fremdenverkehr und Politik sind aufgefordert, über angemessene Formen der Zusammenarbeit nachzudenken. Einen geeigneteren Ort als Weimar hätte man kaum finden können: Schliesslich hat die ostdeutsche Stadt mit ihrem vorbildlich renovierten Architekturerbe aus der Klassik und der Bauhaus-Periode gleich zwei Unesco-Nominierungen auf sich vereinigen können.

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