Unesco : Waldschlößchenbrücke: Kulturrat fordert Einlenken Sachsens

Bei einem Bau der Waldschlößchenbrücke - egal in welcher Form - ist der Welterbetitel verloren, hat die Unesco unlängst erklärt. Die Warnung ruft nun den Deutschen Kulturrat auf den Plan, der von Ministerpräsident Milbradt einen Tunnel fordert.

Brücke
Die Bauarbeiten in Dresden sind bereits voll im Gange. -Foto: ddp

Berlin/DresdenNachdem die Unesco in Paris signalisiert hat, bei einem Bau der Waldschlößchenbrücke dem Dresdner Elbtal den Welterbe-Titel abzuerkennen, mahnt der Deutsche Kulturrat eine Umkehr an. Der Spitzenverband der Bundeskulturverbände forderte Ministerpräsident Georg Milbradt (CDU) zum "Einlenken in letzter Minute" auf. Das Dresdner Elbtal steht wegen des 160 Millionen Euro teuren Bauprojekts seit 2006 auf der Roten Liste gefährdeter Unesco-Welterbe-Stätten. Das Welterbekomitee will auf seiner nächsten Sitzung von 2. bis 10. Juli in Québec über eine Aberkennung des Dresdner Titels entscheiden.

Wie Dresdner Politiker nach einem Gespräch mit dem Direktor des Welterbezentrums in Paris, Francesco Bandarin, berichteten, ist der Titel im Falle des Brückbaus definitiv verloren. Arbeiten für die Brücke laufen bereits seit längerem. Die klare Botschaft ist, dass keine der bekannten Brücken-Alternativen welterbeverträglich sei. Ein Tunnel hingegen stelle zwar auch einen Eingriff dar, werde aber von der Unesco als Kompromiss akzeptiert. Ein sofortiges Einlenken Sachsens und ein umgehender Baustopp des umstrittenen Projekts könnten den Welterbestatus für die Flusslandschaft noch retten, so Kulturrat-Geschäftsführer Olaf Zimmermann.

"Frage nationaler Bedeutung"

Sachsen beharrt unter Verweis auf einen Bürgerentscheid vom Februar 2005 auf dem Brückenbau, das Land hat aber einem verschlankten Entwurf zugestimmt. Die Bindungsfrist für den ersten Bürgerentscheid war Ende Februar ausgelaufen. Mit dem Vorschlag eines Tunnelbaus liegt nach Ansicht des Deutschen Kulturrats eine Alternative auf dem Tisch. "Der Erhalt des Welterbestatus ist nicht allein eine Dresdner oder sächsische Angelegenheit. Es geht hier vielmehr um eine Frage von nationaler Bedeutung", mahnte Zimmermann.

Der Deutsche Kulturrat rief zugleich zur Teilnahme an der für Sonntag geplanten Großdemonstration in Dresden auf. "Das Welterbe muss gerettet und zugleich die Verkehrsinfrastruktur verbessert werden", hieß es. Dafür wäre die Untertunnelung der Elbe eine geeignete Alternative. Brückengegner haben inzwischen nach eigenen Angaben rund 40.000 Unterschriften für ein Bürgerbegehren pro Tunnel gesammelt. (jvo/AFP)

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