Unesco-Weltkulturerbe : Ministerin attackiert Merkel im Brückenstreit

Die Querelen um die geplante Waldschlösschenbrücke im Dresdner Elbtal nehmen kein Ende. Sachsens Kunstministerin Eva-Maria Stange appellierte an den Bund, sich nicht aus der Verantwortung zu stehlen.

DresdenDer politische Streit um die geplante Waldschlösschenbrücke im Dresdner Elbtal hält auch nach der Baufreigabe und dem damit drohenden Verlust des Unesco-Welterbetitels an. Sachsens Kunstministerin Eva-Maria Stange (SPD) appellierte an den Bund, sich nicht aus der Verantwortung zu stehlen. "Welche verheerende internationale Wirkung die Aberkennung des Welterbetitels hat, scheint noch immer nicht klar zu sein." Stange verwies auf Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), die den Brückenstreit unlängst als "regionalen Konflikt" bezeichnet und ein Eingreifen abgelehnt hat.

Dresden verliert den Unesco-Welterbetitel, wenn nicht bis 1. Oktober Alternativen zur bisherigen Bauplanung vorgelegt werden. Sachsens CDU/SPD-Koalition ist in der Frage gespalten, ob die Waldschlösschenbrücke oder eine das Landschaftspanorama weniger verschandelnde Brücke gebaut wird.

Hoffen auf die Fledermaus

"Statt auf politische Vernunft und einen Kompromiss zu setzen, bleibt uns jetzt nur noch die Hoffnung auf die kleine Hufeisennase", sagte Stange laut einer Mitteilung ihres Ministeriums. Damit spielte sie auf einen Eilantrag von Umweltschützern an. Mit Hilfe der Fledermausart Kleine Hufeisennase wollen Naturschutzverbände den Bau der Brücke verhindern. Sie sehen den Lebensraum der bedrohten Art gefährdet. Bis Freitag hatte das Verwaltungsgericht Dresden in der Sache nicht entschieden. Es sei enttäuschend, dass trotz ständiger Kompromisssuche der Stadt nur eine "Fledermaus den Welterbetitel noch retten" könne, erklärte Stange.

Am Sonntag soll auf einer Dresdner Kundgebung für einen Kompromiss im Konflikt um die Brücke geworben werden. "Wir wollen zeigen, dass es auch ein anderes Dresden gibt", sagte ein Sprecher der Initiative "Welterbe erhalten". Die Unterstützer des Anliegens seien gegen ein "Monument der Kompromisslosigkeit". Deshalb gebe es weiter Widerstand im Rahmen der Gesetze. Wenn Dresden die Anerkennung als Stadt von Weltkulturrang verliere, sei eine lange nachwirkende Rufschädigung unvermeidbar, teilte der Präsident der Sächsischen Akademie der Künste, Ingo Zimmermann, mit.

"Weg des Starrsinns"

Das Regierungspräsidium Dresden hatte vor kurzem den Weg für einen Baubeginn freigemacht. Die Stadt war mit ihren Bemühungen um einen Kompromiss und eine alternative Brücke auch vor dem Sächsischen Oberverwaltungsgericht in Bautzen gescheitert. Linke, Grüne und SPD machten daraufhin im Stadtrat die sächsische Regierung und die Dresdner CDU für die Lage verantwortlich. Statt eine Brücke zur Unesco zu schlagen, hätten CDU und der Freistaat den "Weg des Starrsinns" gewählt. Sie würden deshalb die Verantwortung für den Imageschaden für Dresden, Sachsen und Deutschland tragen.

Das Welterbe-Komitee hatte Ende Juni in Neuseeland beschlossen, das Dresdner Elbtal vorerst auf der Roten Liste bedrohter Stätten zu lassen. Als Termin wurde der 1. Oktober genannt. Wenn sich bis dahin nichts bewegt, wird der 2004 verliehene Titel aberkannt. Aus Sicht der Unesco-Kulturorganisation verschandelt die 160 Millionen teure Brücke das landschaftlich reizvolle Flusstal. (mit dpa)

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